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Nana.  Émile Zola
Kapitel 3.
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Die Gräfin Sabine, wie man die Gräfin Muffat de Beuville zum Unterschied von ihrer im vergangenen Jahre verstorbenen Schwiegermutter nannte, empfing jeden Dienstag in ihrem Hause, Miromesnil-Straße, Ecke Penthièvre-Straße. Es war ein viereckiger, weitläufiger Bau, den die Grafen Muffat seit einem Jahrhundert bewohnten. Die auf die Straße gehende Vorderseite war hoch und düster wie die eines Klosters; die riesigen Vorhänge waren stets geschlossen. Im Hinterhofe war ein Gärtchen angelegt, dem es an Sonne mangelte, so daß die Bäume verkümmerten und ihre laublosen Äste nackt in die Luft streckten.

Am folgenden Dienstag gegen zehn Uhr abends waren im Salon kaum ein Dutzend Personen versammelt. Wenn sie nur vertraute Freunde des Hauses erwartete, öffnete die Gräfin weder den kleinen Salon noch den Speisesaal. Man war so mehr unter sich und plauderte gemütlich am Kamin. Der Salon war übrigens sehr geräumig und hoch. Vier Fenster gingen nach dem Garten, von dem bei dem regnerischen Wetter, das jetzt Ende April herrschte, die Feuchtigkeit aufstieg, die selbst im Salon fühlbar war trotz der großen Holzscheite, die im Kamin brannten. Die Sonne drang nie hierher; der Tag, ein grünliches Licht, er hellte kaum diesen Raum. Am Abend aber, wenn die Lampen und der Kronleuchter angezündet wurden, hatte das Zimmer ein ernstes Aussehen mit seinen Möbeln von schwerem Mahagoniholz im Stile des Kaiserreichs, seinen Vorhängen und Sesseln von gelbem Samt mit breiten Stickereien. Man trat in einen Kreis voll kühler Würde und alter Sitten ein, Sitten einer entschwundenen Zeit, die einen Duft von Frömmigkeit ausströmten.

Gegenüber dem Sessel, in dem die Mutter des Grafen gestorben war, einem Sessel aus schwerem Holz und dickem Stoff, saß auf der anderen Seite des Kamins die Gräfin Sabine in einem rotseidenen Sessel, der weich war wie Eiderdaunen. Es war dies das einzige moderne Möbelstück in diesem Raume, von dessen übriger Einrichtung es seltsam abstach.

Also, sagte die Gräfin, wir werden den Schah von Persien in Paris sehen.

Man sprach von den Fürsten, die zur Ausstellung nach Paris kommen würden. Mehrere Damen bildeten einen Kreis um den Kamin. Madame de Joncquoy, deren Bruder in diplomatischer Sendung im Orient war, erzählte Einzelheiten über Nasr-Eddins Hof.

Sind Sie leidend? fragte Madame Chanterau, die Gattin eines Eisenwerkbesitzers, als sie die Gräfin unter einem leichten Frösteln erbleichen sah.

Durchaus nicht, sagte die Gräfin, es war mir nur ein wenig kühl. Dieser Salon ist so schwer zu heizen.

Sie blickte mit ihren schwarzen Augen die Wände entlang bis zur Decke hinauf. Estella, ihre Tochter, ein Mädchen von sechzehn Jahren, schmächtig und unbedeutend, erhob sich und ging zum Kamin, um das Feuer in Ordnung zu bringen. Madame de Chezelle, eine Freundin der Gräfin aus dem Kloster, fünf Jahre jünger als diese, sagte:

Ach, ich wollte, ich hätte einen solchen Salon, hier kann man wenigstens empfangen. Heutzutage baut man lauter Löcher. Wäre ich an deiner Stelle ...

Sie sprach ziemlich unüberlegt, mit lebhaften Gebärden. Sie würde alles verändern, meinte sie: die Vorhänge und Möbel; sie würde Bälle geben, zu denen ganz Paris sich drängen müsse. Ihr Gatte, ein hochgestellter Richter, stand hinter ihrem Sessel und hörte mit ernster Miene zu. Man erzählte in eingeweihten Kreisen, daß sie ihn betrüge, ohne ein Hehl daraus zu machen; allein man verzieh ihr und empfing sie dennoch in Gesellschaft, denn – man hielt sie für närrisch.

Ach, diese Léonide ... begnügte sich die Gräfin mit halbem Lächeln zu sagen.

Eine matte Gebärde vervollständigte ihre Gedanken. Nachdem sie siebzehn Jahre in diesen Räumen zugebracht, werde sie sicherlich keine Veränderungen mehr vornehmen. Es werde alles so bleiben, wie ihre Schwiegermutter es zu ihren Lebzeiten aufrechterhalten wollte. Sie wandte dann das Gespräch wieder auf den ursprünglichen Gegenstand:

Man versicherte mir, daß auch der König von Preußen und der Kaiser von Rußland nach Paris kommen.

Ja, man verspricht sich sehr schöne Festlichkeiten.

Der Bankier Steiner, eingeführt durch Léonide de Chezelles, die ganz Paris kannte, plauderte auf einem Kanapee, das zwischen zwei Fenstern stand. Er war bemüht, aus einem Abgeordneten Nachrichten herauszulocken, deren er für seine Börsenspekulationen bedurfte. Graf Muffat stand vor den beiden und hörte stillschweigend ihrem Gespräche zu; seine Miene war noch ernster und würdevoller als sonst. Vier oder fünf junge Leute bildeten eine Gruppe in der Nähe der Türe um den Grafen Vandeuvres, der mit halblauter Stimme eine Geschichte erzählte, die sehr lustig sein mußte, da man immer lachte. Mitten im Salon saß schwerfällig in einem großen Sessel ein dicker Herr, ein Bürochef im Ministerium des Innern und schlief mit offenen Augen. Einer der jungen Leute schien an der Geschichte zu zweifeln, die Graf Vandeuvres zum besten gab. Dieser zuckte die Achseln und sagte:

Sie sind ein Zweifler, Foucarmont; Sie werden sich dadurch die Freuden des Lebens verderben.

Er trat lachend zu den Damen. Der Graf war der letzte Sprößling eines großen Geschlechtes; er war ein Weiberfreund und geistreich. Im Augenblicke war er bemüht, sein Vermögen zu verzehren, und entwickelte dabei einen unersättlichen Appetit. Sein Rennstall, einer der bekanntesten in Paris, verschlang ein Heidengeld. Seine Verluste im kaiserlichen Klub erreichten allmonatlich eine fabelhafte Höhe. Seine Liebschaften kosteten ihm Jahr für Jahr ein Landgut und dazu noch einige Stück Ackerfeld oder Wälder. So ging von seinen ausgedehnten Besitzungen in der Pikardie ein Teil nach dem anderen verloren.

Sie nennen andere Leute Zweifler, Sie, der an nichts glaubt, sagte Léonide zu dem Grafen, indem sie ihm ein Plätzchen an ihrer Seite einräumte. Sie verderben sich die Freuden des Lebens.

Richtig, erwiderte der Graf, ich will, daß andere sich meine Erfahrungen zunutze machen.

Die Gesellschaft hieß ihn schweigen, denn er beleidige Herrn Venot. Man bemerkte jetzt, da die Damen ein wenig zur Seite gerückt waren, in einem Liegestuhl vergraben, einen kleinen Herrn von sechzig Jahren mit schlechten Zähnen und einem feinen Lächeln. Er hatte es sich bequem gemacht als ob er zu Hause sei, hörte alle Gespräche an, sagte aber kein Wort. Er machte eine Gebärde, mit der er ausdrücken wollte, daß er keineswegs beleidigt sei. Vandeuvres hatte seine würdige Miene wieder angenommen und bemerkte ernst:

Herr Venot weiß recht wohl, daß ich glaube, was man glauben muß.

Das war so gut wie ein religiöses Bekenntnis. Selbst Léonide schien befriedigt. Die jungen Leute im Hintergrunde des Saales lachten nicht mehr. Sie fanden den Salon zu streng und geziert und unterhielten sich nicht. Ein kalter Hauch wehte in dem Zimmer; man hörte in der Stille die näselnde Stimme Steiners, den die Zugeknöpftheit des Abgeordneten fast zur Verzweiflung brachte. Gräfin Sabine blickte ins Feuer, dann begann sie das Gespräch wieder.

Ich habe, sagte sie, im vorigen Jahr den König von Preußen in Baden gesehen; er ist für sein Alter noch sehr rüstig.

Graf Bismarck wird ihn begleiten, sagte Frau von Joncquoy. Kennen Sie den Grafen? Ich habe bei meinem Bruder mit ihm gefrühstückt. Das ist schon lange her! Es war zur Zeit, als der Graf preußischer Gesandter in Paris war. Er ist ein Mann, dessen neueste Erfolge mir unbegreiflich sind ...

Warum denn? fragte Madame Chantereau.

Mein Gott, wie soll ich Ihnen das erklären? Er gefällt mir nicht. Er ist von rücksichtsloser Art und schlecht erzogen. Auch finde ich ihn dumm ...

Graf Bismarck war jetzt der Gegenstand des allgemeinen Gesprächs. Die Meinungen über ihn waren sehr geteilt. Vandeuvres kannte ihn und versicherte, er sei ein famoser Trinker und Spieler. Als das Gespräch seinen Höhepunkt erreicht hatte, öffnete sich die Tür ... Hektor de La Faloise trat ein. Fauchery, der ihm folgte, näherte sich der Gräfin und sagte, sich verneigend:

Madame, ich habe mich Ihrer liebenswürdigen Einladung erinnert ...

Sie antwortete mit einem verbindlichen Lächeln und einigen freundlichen Worten. Der Journalist grüßte den Grafen, dann stand er eine Weile ziemlich vereinsamt im Salon, wo er außer Steiner niemanden kannte. Jetzt wandte sich Vandeuvres zu ihm und drückte ihm herzlich die Hand. Fauchery, froh über diese Begegnung, zog ihn näher und flüsterte ihm zu:

Also morgen ... Sind Sie dabei?

Aber gewiß!

Um Mitternacht bei ihr.

Ich weiß ... Ich komme mit Blanche.

Er wollte dann zu den Damen zurückkehren, um noch weitere Einzelheiten zugunsten Bismarcks vorzubringen, aber Fauchery hielt ihn zurück.

Sie können sich nicht denken, welche Einladung sie mir aufgetragen hat.

Er wies mit einer kaum merklichen Kopfbewegung nach dem Grafen Muffat, der in diesem Augenblick mit Steiner und dem Abgeordneten die Staatswirtschaft erörterte.

Unmöglich! sagte Vandeuvres erstaunt und lachend.

Mein Wort! Ich mußte ihr schwören, daß ich ihn mitbringe. Ich bin auch deshalb gekommen.

Beide lachten still für sich hin. Dann trat Vandeuvres wieder zu den Damen und sagte:

Ich versichere Ihnen, Graf Bismarck hat viel Geist. So sagte er eines Abends in meiner Gegenwart ein reizendes Wort ...

La Faloise, der das leise Gespräch zwischen Fauchery und Vandeuvres angehört hatte, erwartete von diesem eine Erklärung, die aber nicht kam. Von wem sprachen die Herren? Was soll am folgenden Tag um Mitternacht geschehen? Er ließ seinen Vetter nicht mehr los. Fauchery hatte inzwischen Platz genommen; ihn interessierte vor allem die Gräfin Sabine. Man hatte oft ihren Namen vor ihm ausgesprochen; er wußte, daß sie mit siebzehn Jahren verheiratet wurde und jetzt vierunddreißig alt war, seit ihrer Vermählung ein wahres Klosterleben mit ihrem Gatten und ihrer Schwiegermutter geführt habe. In der Gesellschaft galt sie bei den einen als eine kalte Heilige; die anderen beklagten sie, indem sie sich ihres fröhlichen Lachens, ihrer großen, leuchtenden Augen erinnerten aus der Zeit, als sie sich noch nicht in dieses alte Haus begraben hatte. Fauchery beobachtete sie und zögerte mit seinem Urteil. Einer seiner Freunde, der vor kurzem erst als Kapitän in Mexiko gefallen war, hatte ihm am Abend vor seiner Abreise, als sie das Haus verließen, wo man zum Abschiede das Glas geleert, eines jener derben Geständnisse gemacht, die selbst die verschwiegensten Männer in gewissen Augenblicken sich entschlüpfen lassen. Aber er konnte sich daran nicht genau mehr erinnern; man hatte tüchtig getrunken an jenem Abend, und erzweifelt ... Er wurde in seinem Zweifel noch bestärkt, als er die Gräfin in diesem antiken Salon, schwarz gekleidet und ruhig lächelnd sitzen sah. Eine Lampe, die hinter ihr stand, zeichnete ihr feines Profil, das Profil einer üppigen Brünette, in dem nur die etwas starken Lippen eine gebieterische Sinnlichkeit verrieten.

Was sie nur mit ihrem Bismarck haben, brummte La Faloise, der tat, als ob er sich in der Gesellschaft langweile. Man muß hier umkommen. Es war eine seltsame Idee von dir, hierher zu kommen.

Plötzlich richtete Fauchery die Frage an ihn:

Sag' mir: hat die Gräfin ein Liebesverhältnis?

Aber nein, nein, stammelte der andere, sichtlich betroffen und seine Haltung verlierend. Wo glaubst du denn zu sein?

Dann merkte er, daß seine Entrüstung nicht weltmännisch genug war und fügte hinzu, indem er sich auf dem Sofa zurücklehnte:

Mein Gott, ich sage nein ... aber ich weiß nichts weiter darüber ... Da unten sitzt einer, dieser Foucarmont, der überall anzutreffen ist ... Man hat schon wunderlichere Dinge gehört als das, gewiß ... Ich kümmere mich um nichts ... So viel ist sicher, daß wenn die Gräfin Seitensprünge macht, sie es so fein anstellen muß, daß kein Mensch davon spricht.

Er erzählte Fauchery, ohne von diesem weiter befragt worden zu sein, alles, was er über die Familie Muffat wußte. Inmitten der am Kamin geführten Gespräche der Damen senkten beide die Stimme. Wenn man sie mit ihren weißen Krawatten und Handschuhen sah, mußte man glauben, daß sie über wichtige Dinge zu verhandeln hatten. Also: die Mutter des Grafen, die La Faloise gut gekannt hatte, war eine unerträgliche Alte, die fortwährend bei den Pfaffen steckte; überdies von einem Hochmut, einer Herrschsucht, vor der sich alles beugte. Graf Muffat war der spätgeborene Sohn eines Generals, den Napoleon I. zum Grafen gemacht hatte. Es ist selbstverständlich, daß er nach dem 2. Dezember bei Hof in Gnaden aufgenommen wurde. Auch der Graf war nicht sehr heiter, aber er galt für einen biedern, verständigen Mann. Mit diesen Eigenschaften verband er eine tiefe Frömmigkeit, eine so große Meinung von seiner Hofwürde und seinen Tugenden, daß er den Kopf hoch trug wie ein Sakrament. Mama Muffat hatte ihm diese schöne Erziehung beigebracht; täglich zur Beichte, keinerlei jugendliche Vergnügungen. Er ging häufig zur Kirche; zuweilen überkam ihn eine Frömmigkeitsanwandlung von der Heftigkeit eines Fieberanfalls. Um das Porträt des Grafen zu vollenden, flüsterte La Faloise seinem Vetter ein Wort ins Ohr.

Unmöglich! sagte dieser.

Man hat es mir beschworen, auf Ehrenwort! ... Er hatte noch seine Unschuld, als er sich verheiratete.

Fauchery betrachtete lachend den Grafen, dessen Gesicht, eingerahmt von einem Backenbart, ohne Schnurrbart noch strenger und härter erschien, seitdem er mit Steiner die Ziffern der Staatswirtschaft besprach.

Meiner Treu, sein Kopf sieht danach aus, murmelte er. Ein hübsches Geschenk, das er da seiner Gattin gemacht hatte ... Die nette Kleine, wie sehr mußte sie sich langweilen. Sie weiß gewiß nichts ...

Gräfin Sabine sprach ihn an. Er fand den Fall des Grafen so ungewöhnlich, daß er sie nicht hörte. Sie wiederholte daher ihre Frage:

Herr Fauchery, haben Sie nicht eine Schilderung von Bismarck veröffentlicht? Sie haben ja eine Unterredung mit ihm gehabt.

Er erhob sich rasch, näherte sich dem Kreise der Damen, suchte sich zu fassen und fand leicht eine Antwort.

Mein Gott, ich will Ihnen gestehen, daß ich jene Schilderung nach deutschen Biographien geschrieben habe. Den Fürsten selbst habe ich nie gesehen.

Er blieb in der Nähe der Gräfin. Während er mit ihr plauderte, setzte er seine Betrachtungen fort. Sie sah jünger aus, als sie in Wirklichkeit war; man würde sie höchstens für achtundzwanzig Jahre alt halten. Besonders ihre Augen bewahrten eine jugendliche Glut, über welche die langen Wimpern bläuliche Schatten senkten. Ihre Eltern hatten getrennt gelebt; nachdem sie abwechselnd einen Monat bei dem Marquis Chouard und einen Monat bei der Marquise zugebracht hatte, vermählte sie sich sehr jung, sobald ihre Mutter gestorben war. Sie wurde von ihrem Vater, dem sie lästig fiel, dazu gedrängt. Dieser Marquis war ein schrecklicher Mensch, trotz seiner tiefen Frömmigkeit waren seltsame Geschichten über ihn im Umlauf. Fauchery fragte die Gräfin, ob er nicht die Ehre haben werde, den Marquis zu begrüßen. Ihr Vater werde sicher kommen, meinte sie, aber sehr spät; er sei sehr beschäftigt. Der Journalist, der zu wissen glaubte, wo der alte Marquis seine Abende zubrachte, schwieg und bewahrte seinen Ernst. Plötzlich bemerkte er zu seiner Überraschung auf der linken Wange der Gräfin, neben dem Munde, ein Mal. Nana hatte das gleiche. Das war drollig. Nur daß bei Nana blonde, bei der Gräfin pechschwarze Härchen an dem Male zitterten. Einerlei! ... Diese Frau hatte keinen Umgang mit einem fremden Mann.

Ich hatte immer das Verlangen, die Königin Auguste zu sehen, bemerkte die Gräfin. Man sagt, sie sei so gut, so fromm ... Glauben Sie, daß sie den König begleiten werde?

Man glaubt es nicht.

Diese Frau hatte keinen Liebhaber, das war klar. Es genügte, sie in der Nähe ihrer so unbedeutenden Tochter zu sehen, um an ihre Tugend zu glauben. Dieser Salon mit seiner Grabesstille, seiner Kirchenluft, erzählte genugsam, unter welch eiserner Hand, in welcher starren Existenz sie gedrückt lebte. Nichts von ihrem Wesen hatte sie dieser antiken, feuchtschwarzen Wohnstätte zu verleihen vermocht. Graf Muffat mit seiner frommen Erziehung, seinen Bußen und seinen Fasten herrschte hier unbeschränkt. Doch der Anblick des kleinen Greises mit den schlechten Zähnen und dem feinen Lächeln, den er plötzlich in seinem Sessel hinter den Damen entdeckte, war für ihn ein noch entscheidenderer Beweis. Er kannte diese Persönlichkeit. Es war Herr Theophil Venot, ein ehemaliger Advokat, Spezialist für kirchliche Prozesse. Er hatte sich mit einem schönen Vermögen zurückgezogen, führte eine geheimnisvolle Existenz, wurde überall empfangen, sehr ehrerbietig begrüßt, sogar ein wenig gefürchtet, als ob irgendeine verborgene Macht hinter ihm einherschreite. Er war Verwalter der Magdalenenkirche und der Vertreter des Bürgermeisters, hatte die Stelle einer obrigkeitlichen Person im neunten Bezirk nur, um seine Zeit irgendwie nützlich auszufüllen, wie er sagte. Alle Wetter! ... Die Gräfin befand sich in einer guten Umgebung; da war nichts zu machen ...

Du hast recht, hier stirbt man vor Langeweile, sagte Fauchery zu seinem Vetter. Wir werden trachten zu verschwinden.

Steiner, den Graf Muffat und der Abgeordnete eben verlassen hatten, trat wütend in Schweiß gebadet näher und brummte vor sich hin.

Wenn sie nichts sagen wollen, sollen sie es bleiben lassen. Ich werde schon Leute finden, die den Mund auftun.

Dann schob er den Journalisten in eine Ecke und sagte in siegreichem Ton:

Also morgen, wie? ... Ich bin dabei ...

Ah, murmelte Fauchery erstaunt.

Sie wußten das nicht? Oh, ich hatte viele Mühe, sie zu Hause zu treffen, auch ist mir der Mignon nicht von der Seite gewichen.

Aber die Mignons werden ja dabei sein.

Ja, sie sagte es mir. Denn sie hat mich ja schließlich doch empfangen und eingeladen. Um Mitternacht pünktlich, nach dem Theater.

Der Bankier strahlte vor Freude und Stolz, er zwinkerte mit den Augen und fügte, die Worte eigentümlich betonend, hinzu:

Mit Ihnen ist es eine abgemachte Sache, wie?

Was? fragte Fauchery, der nicht zu verstehen schien. Sie wollte sich für meinen Artikel bedanken und ist deshalb zu mir gekommen.

Ja, ja, ihr seid glückliche Leute ... Man lohnt euch ... Apropos, wer zahlt denn die Kosten morgen?

Der Journalist öffnete die Hände, wie um zu sagen: das kann niemand wissen. In diesem Augenblick rief Graf Vandeuvres den Bankier, der den Grafen Bismarck kannte. Madame de Joncquoy war fast schon überzeugt. Sie schloß mit den Worten:

Auf mich hat er einen ungünstigen Eindruck gemacht; ich finde, daß er bösartig aussieht. Doch will ich gerne glauben, daß er Geist hat; dafür sprechen ja auch seine jüngsten Erfolge.

Gewiß, bemerkte mit schwachem Lächeln der Bankier, ein Frankfurter Jude.

Inzwischen hatte La Faloise seinen Mut zusammengenommen und flüsterte seinem Vetter zu:

Ihr eßt morgen bei einer Dame zu Abend? Bei wem, bei wem?

Fauchery gab ihm einen Wink, daß man sie höre; man müsse auf seiner Hut sein. Jetzt wurde die Tür wieder geöffnet, und eine alte Dame trat herein, gefolgt von einem jungen Mann, in dem der Journalist sofort jenen Schüler erkannte, der in der ersten Vorstellung der »blonden Venus« das famose »Sehr schick« ausgerufen hatte, von dem man noch immer sprach. Die Ankunft dieser Dame brachte den ganzen Salon in Bewegung. Die Gräfin Sabine erhob sich lebhaft, um ihr entgegenzueilen; sie ergriff ihre Hände und nannte sie »teure Madame Hugon«. Als La Faloise bemerkte, daß sein Vetter diese Szene neugierig betrachtete, beeilte er sich, diesen über die Verhältnisse der Neuangekommenen in aller Kürze aufzuklären. Madame Hugon, erzählte er, sei die Witwe eines Notars. Sie habe sich nach »Aux Fondettes«, einer Besitzung bei Orleans, zurückgezogen, habe aber ein Absteigquartier in Paris in einem ihr gehörigen Hause der Richelieu-Straße. Sie halte sich jetzt wieder einige Wochen in der Hauptstadt auf, um ihren jüngeren Sohn unterzubringen, der im ersten Jahre die Rechte studiere. Madame Hugon war ehemals eine intime Freundin der Marquise von Chouard und hatte die Gräfin zur Welt kommen und heranwachsen gesehen; ja sie hatte diese sogar vor ihrer Verheiratung mit dem Grafen Muffat oft mehrere Monate bei sich gehabt, darum duzte sie auch die Gräfin.

Ich habe Georges mitgebracht, um ihn dir vorzustellen. Du wirst auch finden, daß er gewachsen ist.

Der junge Mann mit seinen klaren Augen und seinen blonden Löckchen, die ihm das Aussehen eines verkleideten Mädchens gaben, grüßte die Gräfin unbefangen und erinnerte sie an eine Partie Federball, die sie vor zwei Jahren in »Aux Fondettes« miteinander gespielt hatten.

Ist Philipp nicht in Paris? fragte Graf Muffat.

Nein, sagte die alte Dame, er befindet sich noch immer in seiner Garnison in Bourges.

Sie hatte Platz genommen und sprach stolz von ihrem ältern Sohn, einem großen Jungen, der, nachdem er sich in einem unbesonnenen Augenblicke in die Armee hatte einreihen lassen, rasch zum Leutnant aufgerückt war. Die anwesenden Damen umgaben sie mit höflicher Achtung. Die Unterhaltung wurde wieder angeknüpft und nahm jetzt einen angeregten Verlauf. Als Fauchery diese ehrwürdige Matrone sah, dieses mütterliche, von einem gütigen Lächeln verklärte Gesicht, umrahmt von weißen Haaren, fand er es selbst lächerlich, daß er die Gräfin Sabine auch nur einen Augenblick verdächtigen konnte.

Der große, mit roter Seide gepolsterte Sessel, in dem die Gräfin saß, zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Dieser Sessel bedeutete eine Auflehnung gegen die ganze düstere Umgebung in diesem Salon. Dieses der wollüstigen Trägheit dienende Einrichtungsstück war sicherlich nicht vom Grafen hierher geschafft worden. Es war gleichsam ein Versuch, ein Anfang zum Verlangen, zum Wohlleben. Fauchery verlor sich in Träumereien und kam immer wieder auf das vertrauliche Geständnis zurück, das jener Offizier ihm eines Abends in einem Restaurant gemacht hatte. Von einer sinnlichen Neugierde getrieben, hatte er sich darum beworben, in das Haus des Grafen Muffat Zutritt zu erhalten. Da sein Freund, der Kapitän, in Mexiko geblieben war – wer kann wissen? ... Man muß den Versuch wagen ... Es war dies ohne Zweifel eine Torheit; der Gedanke folterte ihn, das Laster erwachte in ihm.

Der große Sessel mit der zurückgebeugten Lehne sah sonderbar aus ...

Wollen wir gehen? fragte La Faloise, der hoffte, daß er dann näheres über die Dame erfahren werde, die morgen ein Essen geben sollte.

Sofort, erwiderte Fauchery.

Aber er beeilte sich nicht. Einen Vorwand zu bleiben bot ihm die Einladung, die er zu machen hatte und die nicht so leicht an den Mann zu bringen war. Die Damen sprachen von einer Nonnenweihe, einer sehr rührenden Feierlichkeit, welche die vornehme Welt von Paris seit drei Tagen beschäftigte. Die Nonne war die ältere Tochter der Baronin Fougeray, die von einer unwiderstehlichen inneren Neigung getrieben, bei den Karmeliterinnen eingetreten war. Madame Chantereau, die mit den Fougeray weitläufig verwandt war, erzählte die Baronin sei von dem Ereignis dermaßen ergriffen gewesen, daß sie am folgenden Tage das Bett hüten mußte.

Ich hatte einen vortrefflichen Platz, sagte Madame Léonide. Die Geschichte war sehr interessant.

Madame Hugon hingegen beklagte die arme Mutter. Welches Unglück, sein Kind so zu verlieren.

Man sagt mir nach, ich sei zu fromm, bemerkte sie mit ruhiger Offenheit, aber das hindert mich nicht, jene Kinder für grausam zu halten, die sich in eigensinniger Weise zu einem solchen Selbstmord entschließen.

Ja, es ist eine schreckliche Sache, murmelte die Gräfin zusammenschauernd und sich noch tiefer in ihren Sessel schmiegend.

Die Damen sprachen darüber, ihre Stimmen wurden leiser; ein halblautes Lachen unterbrach zuweilen das ernste Gespräch. Auf dem Kamin standen zwei mit einer Rosenspitze überdeckte Lampen, die ein sanftes Licht auf die Frauen warfen. Drei Lampen waren nur noch auf verschiedenen weitab stehenden Möbeln angebracht, so daß der große Saal in ein Halbdunkel getaucht war.

Steiner langweilte sich. Er erzählte Fauchery ein Abenteuer der kleinen Frau von Chezelles, die er kurzweg Léonide nannte. Die ist eine Schlaue, sagte er mit leiser Stimme. Fauchery betrachtete sie in ihrem Kleide von blaßblauem Samt, wie sie drollig am Rande ihres Sessels saß, schmächtig und verwegen wie ein Junge. Schließlich war er überrascht, diese Erscheinung an diesem Orte zu finden Man betrug sich schicklicher bei Karoline Héquet, deren Mutter das Haus sehr anständig einzurichten wußte. Ein guter Artikelstoff! Diese Pariser Gesellschaft ist seltsam ... Die vornehmsten Salons sind schon von verschiedenen Elementen überflutet. Dieser schweigsame Theophil Venot, der sich damit begnügte, zu lächeln und dabei seine schlechten Zähne zu zeigen, war offenbar ein Vermächtnis der verstorbenen Gräfin, ebenso diese bejahrten Damen, Frau von Chanterau, Frau von Joncquoy und vier, fünf Greise, die unbeweglich in den Winkeln saßen. Graf Muffat wieder führte die Beamtenwelt ein, die ihre in den Tuilerien so beliebte vornehme Haltung hatten; unter anderen einen Bürochef, der sich immer allein in der Mitte des Saales hielt mit seinem rasierten Gesichte und seinen erloschenen Blicken, dermaßen in seinen Rock eingezwängt, daß er kaum eine Bewegung zu machen vermochte. Die jungen Leute und einige Persönlichkeiten von vornehmen Manieren wurden durch Marquis Chouard eingeführt, der, nachdem er sich mit dem gegenwärtigen System versöhnt und in den Staatsrat eingetreten war, noch immer Beziehungen zu den Legitimisten unterhielt. Es bleiben noch Léonide de Chezelles, Steiner, ein ganz verdächtiger Winkel, nur erhellt durch die liebenswürdige Heiterkeit der greisen Madame Hugon. Fauchery, der im Kopfe seinen Artikel zusammenstellte, nannte das den Winkel der Gräfin Sabine.

Ein andermal, fuhr Steiner leise fort, ließ Léonide ihren Tenoristen nach Montauban kommen. Sie wohnte auf Schloß Beaureceuil, zwei Stunden weit, und kam alle Tage in einem mit zwei Pferden bespannten Wagen, um ihn im »Goldenen Löwen«, wo er abgestiegen war, zu besuchen. Sie blieb stundenlang bei ihm, inzwischen wartete der Wagen vor der Tür, und die Leute sammelten sich an, um die Pferde zu betrachten.

Es war inzwischen im Saale still geworden. Zwei junge Leute flüsterten miteinander, aber auch diese schwiegen bald, und man hörte nur die dumpfen Schritte des Grafen Muffat, der im Salon auf und ab ging. Die Lampen schienen trüber zu brennen, das Feuer erlosch allmählich; ein ernster Schatten hüllte die alten Freunde des Hauses ein, in ihren Sesseln, die sie seit vierzig Jahren inne hatten. Es war, als würden die Anwesenden zwischen zwei ausgetauschten Bemerkungen die Mutter des Grafen erscheinen sehen in ihrer eisigen Vornehmheit. Gräfin Sabine nahm wieder das Wort:

Es war ein Gerücht im Umlauf, der junge Mann sei gestorben; das würde auch erklären, weshalb das arme Kind den Schleier genommen. Man sagt übrigens, Herr von Fougeray würde dieser Verbindung niemals zugestimmt haben.

Man sagt noch manches andere, rief Léonide unbesonnen aus.

Sie begann zu lachen, ohne nähere Erklärungen geben zu wollen. Sabine, von dieser Heiterkeit mitgerissen, führte das Taschentuch an die Lippen. Dieses Gelächter inmitten der Feierlichkeit dieses großen Saales hatte einen Klang, der Fauchery verblüffte, es war, als zerbreche Glas. Die Fesseln waren gesprengt. Alle sprachen zugleich. Frau von Joncquoy protestierte; Frau von Chantereau wußte, daß eine Heirat geplant war, aber nicht zustande kam. Auch die Herren sagten ihre Ansicht. Einen Augenblick herrschte ein Gewirr der Urteile: Bonapartisten und Legitimisten, dann die Zweifler der modernen Gesellschaft redeten durcheinander. Estella hatte geklingelt, um frisches Holz auf das Feuer legen zu lassen. Der Diener schraubte die Lampen wieder auf und es war, als wolle der schläfrige Saal erwachen. Fauchery lächelte, ihm behagte die Stimmung.

Sie vermählt sich mit dem Heiland, weil sie sich mit dem Vetter nicht vermählen kann, brummte Vandeuvres, den diese Angelegenheit langweilte, zwischen den Zähnen. Hat man je gehört, daß eine Frau, die geliebt wird, den Schleier nimmt?

Auf diese an Fauchery gerichtete Frage wartete er die Antwort gar nicht ab. Er fügte mit leiser Stimme hinzu:

Sagen Sie, wieviel werden wir denn sein, morgen? ... Die Mignons, Steiner, Sie, Blanche und ich ... Wer denn noch?

Ich denke, Karoline, Simone, Gaga ohne Zweifel ... Man kann übrigens nie wissen. Bei solchen Gelegenheiten rechnet man auf zwanzig, und es kommen dreißig.

Vandeuvres, der die Damen betrachtete, ging plötzlich auf ein anderes Gespräch über.

Diese Joncquoy muß sehr hübsch gewesen sein vor fünfzehn Jahren ... Die arme Estella ist wieder um ein Stück länger geworden. Da wird ein rechtes Brett ins Bett gelegt.

Er unterbrach sich, um wieder auf das morgige Essen zu kommen.

Das Langweilige an diesen Geschichten ist, daß immer die nämlichen Frauen dabei sind ... Wir brauchten etwas Neues. Trachten Sie, eine Frische aufzutreiben ... Schau, da fällt mir was ein. Ich will den dicken Herrn da auffordern, die Frau mitzubringen, mit der er neulich im Varietétheater war.

Er sprach von dem Bürochef, der im Salon schlummerte. Fauchery machte sich den Spaß, aus der Ferne dem Gang dieser heiklen Verhandlungen zu folgen. Vandeuvres hatte an der Seite des dicken Bürochefs Platz genommen, der seine Würde bewahrte. Beide gaben sich den Anschein, als ob sie mit vieler Gelassenheit die schwebende Frage erörterten, welches Gefühl in Wirklichkeit ein junges Mädchen dazu treiben mag, Nonne zu werden.

Bald kam der Graf zu Fauchery zurück und sagte:

Unmöglich; er schwört, sie sei tugendhaft und werde ablehnen ... Und doch wollte ich wetten, sie bei Laura gesehen zu haben.

Wie, Sie gehen zu Laura? sagte Fauchery lachend. Sie zeigen sich an solchen Orten? Ich glaubte, daß nur wir arme Teufel ...

Oh, mein Lieber, man muß alles kennen lernen.

Sie erzählten einander mit leuchtenden Augen Einzelheiten über die Tischgesellschaft in der Märtyrerstraße, wo die dicke Laura Eisenfuß den Dämchen, die sich in Verlegenheit befinden, für drei Franken ein Mittagessen gibt. Ein sauberes Nest. Alle diese Dämchen küssen die Madame Laura auf den Mund. Gräfin Sabine, die im Fluge ein Wort erhascht hatte, wandte sich um; die Herren zogen sich ein wenig zurück und setzten das Gespräch fort. Sie hatten nicht bemerkt, daß Georges Hugon sich in ihrer Nähe befand; er hatte ihre Worte mit angehört und errötete. Dieses Kind war voll Schamhaftigkeit und Entzücken. Seitdem seine Mutter im Salon ihn von der Seite gelassen, trieb er sich um Madame Chezelles herum, die er am meisten »schick« fand, natürlich nach Nana.

Gestern war ich mit Georges im Varietétheater, wohin ich seit zehn Jahren keinen Fuß gesetzt hatte. Das Kind liebt die Musik sehr. Mich hat die Geschichte wenig unterhalten, aber der Kleine war so glücklich ... Man macht jetzt seltsame Stücke. Überdies schwärme ich nicht für Musik, muß ich gestehen.

Wie, Madame, Sie lieben die Musik nicht? rief Madame de Joncquoy aus, indem sie die Augen zum Himmel erhob. Ist es möglich, die Musik nicht zu lieben?

In diesen Ausruf stimmten alle ein. Niemand sprach von dem Stücke, das im Varietétheater gegeben wurde, und von dem die gute Frau Hugon nichts verstand. Die Damen kannten das Stück recht gut, aber sie sprachen nicht darüber. Man war gefühlvoll und erging sich in begeisterter Bewunderung für die klassischen Meister. Frau von Joncquoy liebte nur Weber, Frau von Chantereau schwärmte für die Italiener.

Die Stimmen der Damen wurden weich und schmachtend; die salbungsvolle Stimmung der Kirche verbreitete sich um den Kamin.

Wir müssen doch eine Frau finden für morgen, sagte Vandeuvres zu Fauchery. Wie wär's, wenn wir uns an Steiner wendeten?

Ah, Steiner hat nur Frauen, die in ganz Paris niemand mehr mag, erwiderte der Journalist.

Vandeuvres suchte weiter um sich her.

Warten Sie, ich habe neulich Foucarmont mit einer reizenden Blonden gesehen. Ich will ihn auffordern, sie mitzubringen.

Er rief Foucarmont. Sie wechselten rasch einige Worte. Es mußte irgendeine Schwierigkeit entstanden sein, denn beide begaben sich behutsam auftretend und über die Röcke der Damen hinwegschreitend zu einem andern jungen Manne, mit dem sie in einer Fenstervertiefung die Unterhandlung fortsetzten. Fauchery, der allein geblieben war, entschloß sich, näher zum Kamin zu treten, wo Madame Joncquoy eben versicherte, sie könne keine Webersche Komposition hören, ohne gleich an Fluren und Wälder und Sonnenaufgang zu denken. In diesem Augenblick berührte ihn jemand an der Schulter und eine Stimme flüsterte ihm zu:

Das ist doch nicht schön von dir.

Was denn? fragte er sich umwendend und La Faloise erkennend.

Du hättest mich doch zum morgigen Essen einladen können.

Fauchery war im Begriff, ihm endlich Aufschluß zu geben, als Vandeuvres zurückkam und sagte:

Es scheint, daß die Blonde nicht Foucarmont gehörte, sondern dem Herrn da unten ... Sie kann nicht kommen. Wie dumm! ... Aber ich habe mit Foucarmont doch nicht vergebens unterhandelt; er hat versprochen, Louise vom Königspalast mitzubringen.

Nicht wahr, Graf Vandeuvres, Wagner ist letzten Sonntag ausgepfiffen worden? fragte Frau von Chantereau mit lauter Stimme.

Grausam, erwiderte er, mit vollendeter Höflichkeit nähertretend.

Da ihn die Damen nicht weiter zurückhielten begab er sich wieder zu Fauchery und flüsterte ihm zu:

Ich will noch weiter werben ... Diese jungen Leute müssen hübsche kleine Bekanntschaften haben.

Man sah ihn lächelnd und liebenswürdig bald in diesem, bald in jenem Winkel des Saales die Herren ins Gespräch ziehen. Er mengte sich unter die Gruppen, flüsterte jedem etwas ins Ohr und wandte sich augenzwinkernd mit allen Zeichen des Einverständnisses wieder um. Es war, als wolle er in seiner aufgeräumten Weise ein Losungswort ausgeben. Das Wort machte die Runde unter den Herren, sie gaben einander ein Stelldichein. Inzwischen dauerten die gefühlvollen Gespräche der Damen über Musik fort und deckten vollständig diese kleine fieberhafte Aufregung der Herren.

Sprechen Sie mir nicht von Ihren Deutschen, wiederholte Frau von Chantereau. Der Gesang ist Fröhlichkeit, das Licht ... Haben Sie die Patti im »Barbier« gehört?

Herrlich war sie! rief Madame Léonide aus, die nichts konnte als einige Operettenarien auf dem Klavier klimpern.

Inzwischen hatte Gräfin Sabine geklingelt. Wenn sich nicht allzu zahlreiche Gäste eingefunden hatten, wurde der Tee im Salon gereicht. Während sie durch einen Diener ein Tischchen abräumen ließ, folgte die Gräfin mit den Augen unablässig dem Treiben des Grafen Vandeuvres. Sie bewahrte dabei jenes unbestimmte Lächeln, das ihre schönen weißen Zähne zur Hälfte sehen ließ. Als der Graf an ihr vorüberging, fragte sie ihn:

Welche Verschwörung wird denn da angezettelt, lieber Graf?

Ich weiß nichts von einer Verschwörung, gnädige Frau, sagte er ruhig.

Ach, ich sah Sie so geschäftig ... Da, nehmen Sie und machen Sie sich nützlich.

Sie gab ihm ein Album, das sie vom Tischchen genommen, in die Hand, damit er es zum Klavier trage. Er fand dabei noch Zeit, dem Journalisten leise mitzuteilen, daß Tatan Néné kommen werde, der schönste Busen der letzten Saison, dann Maria Blond, der neue Stern vom Possentheater. La Faloise hielt ihn bei jedem Schritt auf und erwartete eine Einladung. Schließlich trug er sich selbst an und Vandeuvres lud ihn ein, nur nahm er ihm das Versprechen ab, Clarisse mitzubringen. La Faloise schien einige Bedenken zu haben, aber der Graf beruhigte ihn und sagte:

Ich lade sie ein, das soll Ihnen genügen.

La Faloise hätte gern erfahren, bei wem das Essen stattfinden werde; aber die Gräfin rief jetzt wieder den Grafen, um von ihm zu erfahren, wie die Engländer den Tee bereiten. Der Graf war oft in England bei den Rennen. Seiner Ansicht nach verstünden die Russen allein die Kunst, guten Tee zu bereiten, und er gab der Gräfin das Rezept.

Werden wir heute den Marquis nicht sehen? fragte er dann.

Ja, mein Vater hat in aller Form versprochen zu kommen. Ich fange an, unruhig zu werden. Seine Geschäfte müssen ihn zurückgehalten haben ...

Vandeuvres lächelte fein. Er schien die Art der Geschäfte zu vermuten, die den Marquis zurückhielten. Der Graf dachte an eine reizende kleine Person, die der alte Herr zuweilen aufs Land hinaus brachte. Wie, wenn man auch dieses Pärchen gewinnen könnte ...?

Indes war Fauchery der Meinung, es sei der Moment gekommen, den Grafen Muffat einzuladen, denn es wurde spät.

Machen Sie ernst damit? fragte Vandeuvres, der die Sache für einen Spaß hielt.

Ich meine es sehr ernst ... Sie reißt mir die Augen aus, wenn ich mich meines Auftrages nicht entledige. Es ist ein toller Einfall von ihr! ...

So will ich Ihnen dabei behilflich sein, mein Lieber.

Es schlug elf Uhr. Die Gräfin, von ihrer Tochter unterstützt, bereitete den Tee. Da nur vertraute Freunde des Hauses anwesend waren, nahm jeder seinen Tee auf dem Platze, wo er sich eben befand. Die Damen blieben in ihren Sesseln vor dem Kamin und schlürften dort wohlgemut ihren Tee und kauten kleine Kuchen dazu. Von der Musik war man auf die Lieferanten zu sprechen gekommen. Für Bonbons gebe es nur Boissier; Fruchteis könne man nur bei Catherine kaufen. Madame de Chantereau gab dagegen Latinville den Vorzug. Das Gespräch wurde leiser; eine gewisse Mattigkeit lagerte sich über den Salon. Steiner hielt den Abgeordneten in einer Sofaecke fest und bearbeitete ihn wieder mit seinen Fragen. Herr Venot, dem das Zuckerwerk die Zähne verdorben haben mußte, aß Kuchen Stück für Stück mit dem leisen Knuspern einer Maus. Der Bürochef hatte die Nase in eine Tasse gesteckt und schien damit gar nicht fertig zu werden. Die Gräfin waltete ruhig ihres Hausfrauenamtes, ging von einem zum andern, nötigte niemanden, befragte die Herren mit einem stummen Blick, lächelte und ging weiter. Die warme Luft des Saales hatte ihre Wangen rosenrot gefärbt, sie schien die Schwester ihrer Tochter zu sein, die so trocken und linkisch an ihrer Seite einherging. Als sie sich Fauchery näherte, der mit ihrem Gatten und dem Grafen Vandeuvres plauderte, merkte sie, daß diese Herren plötzlich verstummten. Sie blieb daher nicht stehen, sondern bot den Tee weiter an Georges Hugon.

Eine Dame wünscht Sie bei ihrem Abendessen als Gast zu haben, sagte der Journalist dem Grafen Muffat in heiterem Tone.

Der Graf, der den ganzen Abend ernst geblieben war, schien sehr überrascht zu sein. Welche Dame?

Ei, Nana! sagte Vandeuvres, um die Sache kurz zu machen.

Der Graf wurde noch ernster. Er zuckte kaum mit den Wimpern, während ein Schatten des Unbehagens über seine Züge flog.

Ich kenne diese Dame nicht, sagte er.

Sie waren ja bei ihr!

Wie, ich wäre bei ihr gewesen ... Ah, richtig! Neulich, im Namen des Wohltätigkeitsvereins. Ich dachte nicht mehr daran. Einerlei ... Ich kenne sie nicht und nehme die Einladung nicht an.

Er nahm eine frostige Miene an, wie um diesen Herren zu zeigen, daß der Spaß nicht nach seinem Geschmack sei. Ein Mann seines Ranges könne nicht an dem Tische einer solchen Dame Platz nehmen. Vandeuvres bestritt diese Ansicht: es handle sich um ein Künstleressen, und das Talent entschuldige alles. Doch der Graf hörte nicht weiter auf Fauchery, der ihm von einem Essen erzählte, bei dem der Prinz von Schottland, ein Sohn der britischen Königin, an der Seite einer ehemaligen Tingeltangelsängerin saß. Der Graf wollte nichts hören und machte sogar trotz seiner sonstigen Höflichkeit eine Gebärde des Unwillens.

Georges und La Faloise, die nebeneinander stehend ihren Tee tranken, hatten dieses kurze Gespräch mit angehört.

Also bei Nana ... murmelte La Faloise. Ich hätte mir's wohl denken können.

Georges sagte nichts; aber er glühte, seine blonden Locken flatterten, seine blauen Augen funkelten, so sehr hatte das Laster, dessen Spuren er seit einigen Tagen folgte, ihn entflammt und erregt. Endlich sollten seine Träume sich verwirklichen! ...

Aber ich weiß die Adresse nicht, bemerkte La Faloise.

Boulevard Haußmann, zwischen der Arkadenstraße und der Pasquier-Straße im dritten Stock, sagte Georges in einem Zuge.

Als der andere ihn verblüfft ansah, errötete er tief und fügte in äußerster Verwirrung hinzu:

Ich bin mit dabei, sie hat mich heute morgen eingeladen.

Inzwischen war im Salon eine große Bewegung entstanden. Vandeuvres und Fauchery hatten es aufgegeben, noch weiter in den Grafen Muffat zu dringen. Der Marquis Chouard war eben eingetreten und jedermann beeilte sich, ihn zu begrüßen. Er war mit schlotternden Beinen mühsam bis in die Mitte des Salons gegangen, wo er still stand, bleich und mit den Augen zwinkernd, als ob er, eben aus irgendeinem dunklen Gäßchen ins volle Licht tretend, durch die Helle der Lampen geblendet werde.

Ich hatte nicht mehr gehofft, Sie heute noch zu sehen, Vater, sagte die Gräfin; und das hätte mir bis zum Morgen viel Unruhe verursacht.

Er sah sie an, ohne zu antworten, mit der Miene eines Menschen, der nicht versteht, was man ihm sagt. Die große Nase in seinem rasierten Gesichte schien wie von einem bösen Übel angeschwollen, die Unterlippe hing herab. Madame Hugon empfand tiefes Mitleid mit dem alten Herrn, als sie ihn in diesem Zustande sah.

Sie arbeiten zu viel und sollten sich mehr schonen, bemerkte sie; in unserem Alter muß man die Arbeit jüngeren Kräften überlassen.

Die Arbeit, ja die Arbeit ... stammelte er endlich. Immer sehr viel Arbeit.

Er erholte sich allmählich, richtete seine gebeugte Gestalt in die Höhe und fuhr sich seiner Gewohnheit gemäß mit der Hand durch die spärlichen weißen Locken, die hinter seinen Ohren flatterten.

Was arbeiten Sie denn so spät? fragte Frau von Joncquoy. Ich dachte, Sie wären bei dem Empfang des Finanzministers.

Die Gräfin kam ihm zu Hilfe und sagte:

Mein Vater hatte einen Gesetzentwurf zu studieren.

Ja, einen Gesetzentwurf, bestätigte der Alte. So ist es ... Ich hatte mich eingeschlossen. Es handelt sich um die Fabriken. Ich wollte, daß die Sonntagsruhe gewahrt werde. Es ist zu bedauern, daß die Regierung nicht größere Strenge entwickelt. Die Kirchen leeren sich immer mehr. Wir gehen einer Katastrophe entgegen.

Vandeuvres sah Fauchery an. Beide standen hinter dem Marquis und beobachteten ihn. Als Vandeuvres ihn beiseite nahm, um ihn über die hübsche Person zu befragen, die er zuweilen aufs Land führe, tat der Marquis sehr überrascht.

Man werde ihn mit Baronin Decker gesehen haben – meinte er – bei der er zuweilen in Viroflay einige Tage zubringe.

Um für diese Lüge Rache zu nehmen, fragte ihn Vandeuvres:

Wo waren Sie denn? Ihr Ellbogen ist voll Spinngewebe und Schmutz.

Mein Ellbogen? stammelte er verwirrt. Schau, in der Tat ... Etwas schmutzig ... Das muß geschehen sein, als ich meine Wohnung verließ.

Einige Besucher entfernten sich jetzt. Es war bald Mitternacht. Zwei Diener waren geräuschlos damit beschäftigt, die Tassen und Teller wegzuräumen. Der Damenzirkel vor dem Kamin schloß sich enger. Man plauderte jetzt ungezwungener. Der Salon wurde immer stiller und schläfriger. Fauchery meinte, man solle aufbrechen; aber er versank doch wieder in den Anblick der Gräfin Sabine.

Sie ruhte von ihrem Hausfrauenamte aus, saß still an ihrem gewohnten Platze und blickte auf ein Holzscheit, das sich in der Glut langsam verzehrte. Ihr Antlitz war so bleich und ruhig, daß der Journalist wieder zu zweifeln begann. Der Feuerschein des Kamins verlieh den Härchen am Muttermal in ihrem Gesichte eine blonde Färbung. Ganz wie bei Nana, selbst die Farbe ... Er konnte sich nicht enthalten, den Grafen Vandeuvres auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. In der Tat, meinte dieser, es ist wahr: er hatte es bisher gar nicht beachtet. Beide spannen nun den Vergleich zwischen Nana und der Gräfin weiter. Sie fanden, daß beide Frauen in Kinn und Mund gewissermaßen einander ähnlich waren: die Augen aber seien durchaus verschieden. Überdies habe Nana ein gutmütiges, williges Aussehen, während man bei der Gräfin nicht wisse, woran man sich zu halten habe. Sie gleiche einer Katze, die mit eingezogenen Krallen schlafe ...

Dennoch wäre es angenehm, ihre Gunst zu genießen, erklärte Fauchery.

Vandeuvres prüfte mit den Blicken ihren Körper.

Sicherlich, sehr angenehm, sagte er dann. Aber sie hat keine Schenkel, möchte ich wetten.

Er schwieg, denn Fauchery stieß ihn an und zeigte ihm mit einem Wink Estella, die auf einem Taburett vor ihnen saß. Sie hatten etwas lauter gesprochen, ohne sie zu bemerken, und sie mußte alles gehört haben. Sie hatte sich nicht gerührt. Steif und unbeweglich hatte sie dagesessen mit dem mageren Halse eines früh aufgeschossenen Mädchens. Sie traten einige Schritte zurück. Vandeuvres schwor, die Gräfin sei eine ehrbare Frau.

In diesem Augenblick wurde das Gespräch am Kamin etwas lauter.

Madame de Joncquoy sagte:

Ich habe zugegeben, daß Herr von Bismarck vielleicht ein Mann von Geist sei ... Aber wenn Sie von Genie reden wollen ...

Die Damen waren also auf den ersten Gegenstand ihres Gespräches zurückgekommen.

Was, schon wieder Bismarck? rief Fauchery. Jetzt gehe ich aber wirklich.

Warten Sie, sagte Vandeuvres, wir müssen vom Grafen eine endgültige Weigerung haben.

Der Graf unterhielt sich mit seinem Schwiegervater und einigen ernsten Herren. Vandeuvres nahm ihn beiseite und wiederholte die Einladung, indem er hinzufügte, daß er selbst bei dem Essen zugegen sein werde. Ein Mann dürfe überall hingehen; man könne ihm dies nicht verübeln, höchstens der Neugierde zuschreiben. Der Graf hörte mit gesenkten Blicken diese Gründe stillschweigend an. Vandeuvres sah, daß der Graf innerlich schwankte; aber in diesem Augenblicke trat der Marquis mit fragender Miene hinzu. Als er erfuhr, worum es sich handle, und Vandeuvres auch ihn einlud, blickte er verstohlen auf seinen Schwiegersohn. Man schwieg eine Weile verlegen, schließlich hätte man zugesagt, wenn Graf Muffat nicht plötzlich bemerkt hätte, daß die Blicke des Herrn Venot auf ihm ruhten. Der kleine Greis lächelte jetzt nicht mehr. Sein Gesicht war starr und fahl, die Augen blitzten scharf und klar.

Nein, lautete die Antwort des Grafen so entschieden, daß alles weitere Drängen nutzlos schien.

Da lehnte der Marquis seinerseits noch viel schroffer ab. Er sprach von der Moral, und daß die höheren Stände mit dem Beispiel vorangehen müßten.

Fauchery lächelte und verabschiedete sich von Vandeuvres. Er konnte nicht länger bleiben, weil er noch in die Redaktion gehen mußte. Er verabschiedete sich mit den Worten:

Morgen um Mitternacht bei Nana.

Auch La Faloise entfernte sich. Steiner hatte gleichfalls sich empfohlen; andere Herren folgten. Alle flüsterten einander zu:

Um Mitternacht bei Nana.

Georges, der warten mußte, bis seine Mutter ging, hatte sich bei der Tür aufgestellt, um jedem dieser Herren die genaue Adresse zu geben: Dritter Stock, die Tür links. Fauchery warf, bevor er die Tür hinter sich schloß, noch einen letzten Blick in den Salon. Vandeuvres hatte seinen Platz im Kreise der Damen wieder eingenommen und scherzte mit Frau von Chezelles. Graf Muffat und Marquis Chouard mengten sich in die Unterhaltung, während die gute Madame Hugon mit offenen Augen eingeschlafen war. Herr Venot verschwand hinter den Röcken der Frauen, er war wieder in seinen Sessel zurückgesunken und hatte sein feines Lächeln wiedergefunden. Es schlug langsam zwölf in der feierlichen Stille des Saales.

Was, rief Frau von Joncquoy aus, Sie glauben, Herr von Bismarck könne uns den Krieg erklären und uns schlagen? Das geht denn doch zu weit!

Das bezog sich auf Frau von Chantereau, die erzählte, daß sie im Elsaß, wo ihr Gatte Eisenhämmer besitze, diese Meinung habe häufig aussprechen hören.

Glücklicherweise ist der Kaiser da, bemerkte der Graf in seinem amtlichen Ernste.

Das war das letzte Wort, das Fauchery hören konnte. Er schloß die Türe, nicht ohne vorher noch einmal nach der Gräfin Sabine zu blicken.

Sie plauderte ernsthaft mit dem Bürochef und schien an der Unterhaltung mit diesem dicken Herrn Interesse zu finden. Gewiß, dachte sich Fauchery, ich täusche mich; da ist nicht an Seitensprünge zu denken ... Schade um die Mühe ...

Kommst du endlich? rief La Faloise aus dem Vorraum herauf.

Sie schieden auf der Straße mit den Worten:

Also morgen bei Nana.