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Das Reigate-Rätsel.  Arthur Conan Doyle
Buch. Das Reigate-Rätsel
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Im Frühjahr `87 lag mein Freund Sherlock Holmes mit schweren gesundheitlichen Schäden danieder. Er hatte seine schier unverwüstlich scheinenden Kräfte in einem solchen Maße in seine Arbeit eingesetzt, daß seine Gesundheit völlig zusammengebrochen war. Es dauerte lange, bis er wieder zu Kräften kam. Um nur einen von den kräfteraubenden Fällen zu erwähnen, nenne ich den Konflikt der Niederländischen Sumatra-Gesellschaft. Die gigantischen Pläne des Barons Maupertius sind immer noch frisch im Gedächtnis der Bevölkerung. Diese Maupertius-Pläne sind zu sehr mit Politik und öffentlichen Finanzen verquickt, als daß man eine geeignete Serie über sie schreiben könnte, ohne indiskret zu werden, auf indirektem Wege verhalfen sie jedoch meinem Freund dazu, ein Beispiel seines großen Könnens abzugeben. In seinem lebenslangen Kampf gegen das Verbrechen war es ihm damals möglich, völlig neue Waffen einzusetzen.

Als ich meine Notizen durchblätterte, erinnerte ich mich wieder deutlich an die Zeit. Wir schrieben den 14. April, als ich ein Telegramm aus Lyon erhielt, in dem mir mitgeteilt wurde, Sherlock Holmes läge im Hotel Dulong krank danieder. Vierundzwanzig Stunden später befand ich mich in seinem Krankenzimmer. Ich war erleichtert, denn die Symptome schienen mir nicht lebensgefährlich zu sein. Jedoch hatte selbst seine eiserne Natur den enormen Anstrengungen einer mühseligen Untersuchung, die über zwei Monate gedauert hatte, nicht standhalten können.

Er war unter der Arbeitslast zusammengebrochen. Während der letzten zwei Monate hatte er täglich mehr als fünfzehn Stunden gearbeitet. Mehr als einmal, versicherte er mir, sei er hintereinander an die fünf Tage, ohne sich eine Pause zu gönnen, an der Arbeit gewesen. Nicht einmal die triumphalen Erfolge seines Einsatzes konnten ihm diesen Zusammenbruch nach der völligen Überarbeitung ersparen. Um die gleiche Zeit, als in Europa von einem Ende bis zum anderen sein Name rühmlich genannt wurde und ich in seinem Zimmer knöcheltief durch Gratulationsbriefe watete, befand er sich selber in tiefster, schwärzester Depression. Nicht einmal das Wissen um die Tatsache, daß ihm Erfolg beschieden war, wo die Polizei dreie r Länder versagt hatte - er hatte den größten europäischen Schwindler ausgetrickst-, konnte ihn aufheitern.

Er war mit den Nerven am Ende. Er lag gewissermaßen flach am Boden. Drei Tage später waren wir wieder zusammen in der Baker Street, mein Freund jedoch benötigte dringend Urlaub und Entspannung. Mir persönlich erscheint der Gedanke an eine Woche auf dem Lande, zumal im Frühling, immer sehr attraktiv. Mein alter Freund, Colonel Hayter, den ich damals in Afghanistan medizinisch versorgt hatte und der sic h nun in dem Städtchen Reigate in Surrey niedergelassen hatte, hatte mich schon des öfteren eingeladen, einmal ein paar Urlaubstage bei ihm zu verbringen. Bei der letzten Einladung hatte er dazugeschrieben, daß ich meinen Freund ruhig mitbringen dürfe, da ich ja ohne ihn sowieso nirgends hinreiste, Sherlock Holmes, mein Freund, sei ihm herzlich willkommen. Ich mußte schon etwas Diplomatie aufwenden, um Holmes zu dieser Reise zu bewegen. Aber als er begriff, daß Colonel Hayter einen Junggesellenhaushalt führte und daß wir wirklich volle Freiheit hatten, zu tun und zu lassen, was immer wir wollten, da stimmte er schließlich meinem Plan zu. So kam es, daß wir uns eine Woche nach seiner Rückkehr aus Lyon unter dem Dach des Colonels befanden.

Hayter war ein freundlicher alter Soldat, der viel von der Welt gesehen hat. Ich fand bald heraus, daß meine heimlich gehegte Vermutung sich bestätigte, daß nämlich Holmes und der Colonel viele gemeinsame Interessen hatten.

Am Abend nach unserer Ankunft saßen wir nach dem Dinner im Waffenzimmer des Colonels zusammen. Holmes hatte sich auf dem Sofa ausgestreckt, während Hayter und ich seine kleine Sammlung östlicher Waffen betrachteten.

»Übrigens«, sagte er plötzlich, »ich werde mir eine dieser Waffen mit in mein Schlafzimmer nehmen für den Fall, daß es hier einen Überfall geben sollte.«

»Überfall?« fragte ich erstaunt.

»Ja, in diesem Teil unseres Landes war es in letzter Zeit ein bißchen unruhig. Acton, einer unserer Gutsbesitzer, hatte erst am letzten Montag einen Einbruch in seinem Haus. Kein großer Schaden, aber die Kerle sind noch auf freiem Fuß. «

»Keine Hinweise?« fragte Holmes und sah den Colonel an. »Bisher keine. Aber es handelt sich auch um eine dieser kleinen Affären, ein kleines Verbrechen in der Grafschaft, viel zu klein, Mr.

Holmes, um von Ihnen beachtet zu werden, nachdem Sie so große internationale Affären mit Erfolg abgeschlossen haben. «

Holmes fegte das Kompliment mit der Hand fort, obgleich ein kleines Lächeln anzeigte, daß es ihn doch gefreut hatte. »Gab es irgendwelche interessanten Züge bei der Sache?« »Ich fürchte, nein. Die Diebe haben die Bibliothek durchsucht, aber für ihre Mühe eigentlich herzlich wenig mitgenommen. Zwar ist das ganze Zimmer durchwühlt worden, das Unterste nach oben gekehrt, Schubladen herausgerissen und Schränke aufgebrochen, trotzdem fehlten nur ein Band von Popes >Homer<, zwei versilberte Leuchter, ein Briefbeschwerer aus Elfenbein, ein kleines eichenes Barometer und ein kleines Knäuel Bindfaden.«

»Eine seltsame Mischung von Diebesgut!« rief ich aus.

»Oh, die Kerle haben sich eben gegriffen, was ihnen in den Weg kam«, sagte er.

Holmes grunzte vom Sofa her: »Die Grafschaftspolizei sollte da doch eigentlich etwas machen können, es ist doch ganz klar, daß...«

Aber ich hielt warnend meinen Finger hoch.

»Sie sind hier, um sich auszuruhen, mein lieber Freund. So fangen Sie um Himmels willen nicht an, Probleme aufzugreifen, solange Ihre Nerven noch nicht wiederhergestellt sind.«

Mit einem Ausdruck komischer Resignation zuckte Holmes mit den Schultern. Der Colonel und ich sprachen von nun an über weniger gefährliche Themen. Am nächsten Morgen war ich jedoch zur Resignation verurteilt. All meine medizinische Umsicht war umsonst gewesen, denn das Problem präsentierte sich am Morgen auf eine Weise, daß es für uns unmöglich zu übersehen war. Unser Landaufenthalt verlief durchaus anders, als ich mir vorgestellt und gewünscht hatte.

Wir saßen beim Frühstück, als der Butler des Colonels zum Zimmer hineingestürzt kam. All seine Würde schien aus ihm herausgeschüttelt zu sein.

»Haben Sie die Nachricht gehört, Sir?« rief er, schwer nach Atem ringend. »Bei Cunninghams, Sir.«

»Einbruch!« rief der Colonel und hielt die Kaffeetasse hoch in die Luft.

»Mord.«

Der Colonel pfiff leise. »Bei Gott«, sagte er, »wen haben sie umgebracht, J. P. oder seinen Sohn?«

»Keinen von den beiden, Sir. Es hat William, den Kutscher, erwischt. Er wurde mitten durch das Herz getroffen, er war sofort tot. «

»Und wer hat ihn erschossen?«

»Der Einbrecher, Sir. Und der war dann weg wie der Blitz. Niemand hat mehr etwas von ihm gesehen. Er war gerade durch das Speisekammerfenster ins Haus gestiegen, als William dazukam. So beendete er sein Leben, indem er das Gut seines Herrn verteidigte.«

»Um welche Zeit ist es geschehen?«

»Letzte Nacht, Sir, so um die Mitternacht herum.«

»Ah, dann werden wir hinterher mal hinübergehen«,sagte der Colonel kühl und wandte sich seinem Frühstück wieder zu. »Es ist schon eine schreckliche Geschichte«, sagte er, als der Butler gegangen war. »Der alte Cunningham ist einer unserer führenden Leute hier und ein sehr netter Mensch dazu. Es muß schrecklich für ihn sein, einen Mann zu verlieren, der so lange in seinem Dienst war. William war ein guter Mann. Es sieht so aus, als ob es sich um die gleichen Verbrecher handelt, die auch bei Acton eingebrochen haben.«

»...und diese seltsame Kollektion gestohlen haben«, sagte Holmes gedankenvoll.

» Gewiß. «

»Hm. Möglicherweise ist es eine ganz einfache Geschichte, die allereinfachste auf der Welt, wenn sie auf den ersten Blick auch ein wenig seltsam wirkt, finden Sie nicht auch? Eine Einbrecherbande sollte ihre Methoden schon ein wenig variieren, selbst wenn sie darauf spezialisiert ist, in Landgutshäuser einzubrechen. Zwei Nachbarhäuser hintereinander zu überfallen, ist ein bißchen ungeschickt. Als Sie gestern abend davon sprachen, Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, da ging es mir durch den Sinn, daß ich hier in dieser Gemeinde kaum einen Einbruch erwartet hätte. Da kann man einmal wieder sehen, wieviel ich noch zu lernen habe. «

»Ich nehme an, daß der Mörder jemand aus dem Dorf sein muß«, sagte der Colonel, »in gewissem Sinne hat er schon recht, bei Acton und Cunningham einzubrechen, denn es sind die größten Häuser hier am Ort. «

»Und die reichsten?«

»Ja, eigentlich auch die reichsten, sollten sie wenigstens sein, wenn ihnen nicht im letzten Jahr gerichtliche Auflagen das Blut ausgesogen hätten. Der alte Acton hatte ein Recht auf das halbe Gut der Cunninghams - und die Behörden haben mit beiden Händen zugegriffen. «

»Wenn es sich um einen Verbrecher aus der Nachbarschaft handelt, dann dürfte es wohl nicht so schwer sein, ihn zu stellen«, sagte Holmes und gähnte. »Ist in Ordnung, Watson, ich werde mich nicht einmischen! «

»Inspektor Forrester«, sagte der Butler, der in diesem Augenblick zur Tür hereinkam.

Ein Mann von der offiziellen Polizei, ein hübscher junger Kerl mit scharfgeschnittenem Gesicht, trat zu uns ins Zimmer. »Guten Morgen, Colonel«, sagte er. »Ich hoffe, ich störe nicht zu sehr, aber ich hörte, daß Mr. Holmes von der Baker Street bei Ihnen wohnt.«

Der Colonel winkte mit der Hand zu meinem Freund hinüber, und der Inspektor verbeugte sich.

»Wir hoffen, daß es Ihnen vielleicht nichts ausmachen würde Mr. Holmes, mit uns hinüberzugehen?«

»Das Schicksal ist gegen Sie, Watson«, sagte Holmes lachend. »Wir sprachen gerade von der Sache, Inspektor, als Sie hereinkamen. Nun, dann teilen Sie uns Ihre Details mit.«

Damit lehnte er sich bequem zurück, um besser zuhören zu können. Ich kannte diese Körperhaltung, und ich wußte, daß die Sache für mich aussichtslos war.

»In der Acton-Affäre haben wir noch keinen Hinweis, aber in diesem Fall gibt es eine Menge davon. Ohne Zweifel war die gleiche Bande am Werk. Der Mann ist gesehen worden.«

»Ah.«

»Ja, Sir. Aber als er den Schuß abgefeuert hatte, der den armen William Kirwan umgebracht hat, lief er behende wie ein Hirsch davon. Mr. Cunningham hat ihn von seinem Schlafzimmerfenster aus gesehen, und Mr. Alec Cunningham sah ihn von dem hinteren Flur aus. Um viertel nach zwölf wurde der Alarm gegeben. Mr. Cunningham war gerade ins Bett gegangen und Mr. Alec saß noch im Morgenmantel in seinem Zimmer und rauchte eine Pfeife. Beide hatten die Hilferufe des Kutschers William gehört. Mr. Alec lief hinunter, nachzusehen, was es gab. Im Hinuntergehen sah er schon, daß die hintere Tür offen stand, und als er unten war, entdeckte er die zwei Männer, die draußen miteinander kämpften. Einer von ihnen schoß, der andere fiel hin, und der Mörder lief durch den Garten und entkam über die Hecke. Mr. Cunningham hatte die ganze Szene von seinem Schlafzimmerfenster aus mit angeschaut. Er sah, wie der Mann zur Straße ge langte, hat ihn aber dann aus den Augen verloren. Mr. Alec 134 blieb, wo er war, und versuchte, dem sterbenden Mann zu helfen. So entging ihnen der Verbrecher. Viel konnten sie allerdings zur Person des Mörders nicht sagen. Der Mann war mittelgroß und irgendwie dunkel gekleidet. Die Untersuchung läuft auf vollen Touren. Wenn es ein Fremder war, so werden wir ihn bald haben. «

»Was wollte William? Hat er nichts sagen können, bevor er starb?«

»Kein Wort. Er wohnte mit seiner Mutter zusammen in dem Pförtnerhaus. Er war ein sehr treuer Mann. Wir nehmen an, daß er zum Haus hinaufgegangen ist, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war. Seit der Acton-Geschichte ist hier natürlich jeder auf seiner Hut. Der Räuber muß die Tür aufgebrochen haben - das Schloß ist beschädigt -, als William ihn überraschte.«

»Hat William seiner Mutter etwas gesagt, bevor er zum Haus ging? «

»Sie ist sehr alt und taub. Wir können keinerlei Information aus ihr herausbekommen. Der Schock hat sie halb um den Verstand gebracht, aber soviel ich weiß, ist sie niemals besonders klug gewesen. Es gibt allerdings eine wichtige Sache, bitte, schauen Sie sich das hier an.«

Er nahm ein Stückchen Papier aus seinem Notizbuch und glättete es auf seinen Knien.

»Das hier wurde zwischen Finger und Daumen des Toten gefunden. Es sieht aus wie ein Stückchen Papier, das von einem großen Bogen abgerissen worden ist. Sie werden feststellen, daß die hier angegebene Zeit genau der Zeitpunkt ist, in der der arme Kerl zu Tode gekommen ist. Möglicherweise hat der Mörder den Rest des Blattes aus seiner Hand gerissen, oder aber er selber hat dieses Fragment dem Mörder entrissen. Es sieht wirklich wie eine Verabredung aus.«

Holmes nahm das Stückchen Papier in die Hand. >Um viertel vor zwölf<, stand darauf und dann noch die Worte: >um zu erfahren... mag.< »Wir nehmen an, daß es sich tatsächlich um eine Verabredung handelte«, fuhr der Inspektor fort.

»Obgleich William Kirwan als ehrlicher, ordentlicher Mensch bekannt war, könnte es doch trotzdem geschehen sein, daß er mit den Verbrechern unter einer Decke steckte. Vielleicht wollten sie sich an der Tür treffen, vielleicht hat er ihnen sogar geholfen, die Tür aufzubrechen.

Dann hat es wohl Streit zwischen ihnen gegeben. «

»Dieses kleine Schriftstück ist außerordentlich interessant«, sagte Holmes, der das Papierstückchen sehr aufmerksam betrachtet hatte. »Die Sache wird tiefgründiger, als ich zunächst angenommen habe. «

Damit stützte er den Kopf in beide Hände. Der Inspektor lächelte über den Eindruck, den dieser Fall auf den berühmten Londoner Spezialisten gemacht hatte.

»Ihre letzte Bemerkung«, sagte Holmes schließlich, »die Annahme, daß möglicherweise ein Einverständnis zwischen dem Einbrecher und dem Kutscher bestanden haben mag und daß die Notiz eine Botschaft von einem der zwei an den anderen ist, das mag natürlich so gewesen sein.

Aber wenn man den Anfang dieses Schreibens betrachtet...« Wieder sank der Kopf in die Hände, und Holmes blieb lange Minuten in Gedanken versunken. Als er schließlich den Kopf wieder hob, war ich sehr erstaunt, plötzlich wieder Farbe in seinen blassen Wangen zu sehen. Seine Augen waren so hell wie vor der Krankheit. Mit alter Energie sprang er auf.

»Ich mache Ihnen einen Vorschlag«, sagte er. »Ich würde gerne einen ruhigen kleinen Blick auf diesen Fall tun. Da gibt es etwas, was mich gewaltig interessiert. Wenn Sie erlauben, Colonel, so möchte ich Sie und meinen Freund Watson nun allein lassen. Ich werde den Inspektor begleiten und sehen, ob ich wo-möglich der Wahrheit auf der Spur bin, denn ich habe da so eine Idee... In einer halben Stunde werde ich wieder zurück sein.«

Ein und eine halbe Stunde vergingen, bis der Inspektor schließlich alleine zurückke hrte.

»Mr. Holmes macht einen Spaziergang durch die Felder«, sagte er. »Er möchte, daß wir alle vier noch einmal zusammen zu dem Haus gehen. «

»Zu den Mr. Cunninghams?«

»Ja, Sir.«

»Warum?«

Der Inspektor zuckte mit der Schulter. »Ich weiß es nicht, Sir. Aber ganz unter uns gesagt, glaube ich, daß Mr. Holmes sich noch nicht richtig wieder von seiner Krankheit erholt hat. Er benahm sich merkwürdig und wirklich sehr erregt. «

»Darüber müssen Sie sich keine Sorgen machen«, sagte ich. »Ich habe immer gefunden, daß seine Verrücktheiten immer sehr methodischer Natur waren.«

»Manche Leute können ruhig behaupten, daß seine Verrücktheiten methodischer Natur sind«, brummte der Inspektor. »Aber er brennt darauf anzufangen, und er erwartet uns. Gehen wir lieber. «

Wir trafen Holmes, wie er durch die Felder wanderte, den Kopf gesenkt und die Hände tief in den Hosentaschen vergraben.

»Die Sache wird immer interessanter«, sagte er. »Watson, unsere Landpartie scheint wirklich ein voller Erfolg zu werden. Ich habe einen recht amüsanten Morgen verbracht.«

»Sie haben sich die Szene des Verbrechens angesehen, wenn ich nicht irre?« fragte der Colonel.

»Ja. Der Inspektor und ich haben einen hübschen kleinen Vorstoß ins Feindesland gemacht. «

»Erfolg?«

»Na ja, wir haben schon ein paar recht interessante Dinge gesehen. Ich erzähl' Ihnen, was wir gemacht haben, während wir gehen. Als erstes haben wir uns die Leiche dieses unglücklichen Menschen angesehen. Er ist tatsächlich, wie angegeben, durch eine Revolverkugel umgebracht worden. «

»Haben Sie das denn bezweifelt?«

»Oh, es ist immer gut, wenn man alles genau überprüft. Unsere Inspektion war nicht umsonst.

Danach haben wir mit Mr. Cunningham und seinem Sohn gesprochen. Die zwei konnten uns genau die Stelle zeigen, wo der Mörder auf seiner Flucht durch die Hecke gebrochen ist. Das war mir sehr interessant.«

»Natürlich.«

»Dann haben wir die Mutter des armen Kutschers besucht. Informationen konnten wir allerdings nicht aus ihr herausbekommen. Aber sie ist auch sehr alt und schwach.«

»Und zu welchem Ergebnis sind Sie bei Ihrer Untersuchung gekommen? «

»Ich bin überzeugt, daß es sich um ein sehr merkwürdiges Verbrechen handelt. Vielleicht trägt unser gemeinsamer Besuch dazu bei, die Sache ein wenig mehr aufzuhellen. Inspektor, ich bin sicher, daß Sie und ich uns einig sind in der Annahme, daß das Papierfragment in der Hand des Toten, auf dem genau die Stunde seines Todes angegeben war, von ungeheurer Wichtigkeit für uns ist.«

»Ein Hinweis ist es gewiß.«

»Ein sehr wichtiger Hinweis. Wer immer diese Notiz geschrieben hat, war der Mann, der William Kirwan um diese Nachtzeit aus seinem Bett geholt hat. Aber wo ist der Rest des Papieres?«

»Ich habe das Grundstück, in der Hoffnung es zu finden, gründlich durchsucht«, sagte der Inspektor.

»Es ist aus der Hand des Toten herausgerissen worden. Warum sollte jemandem daran gelegen sein, es in seinen Besitz zu bringen? Doch wohl, weil es ihn bloßstellen konnte. Und was wollte er damit machen? Ich könnte mir vorstellen, daß er es eilig in seine Tasche hat verschwinden lassen, ohne jedoch zunächst zu bemerken, daß ein Stückchen in der Hand des Toten verblieben war. Wenn wir den Rest des Blattes finden, ist auch klar, wo wir den Mörder zu suchen haben.

Dann dauert es nicht mehr lange, bis das Rätsel gelöst ist.«

»Ja, aber wie können wir an die Tasche des Mörders gelangen, bevor wir den Mörder selber haben?«

»Ja, ja, genau das ist es, worüber es sich nachzudenken lohnt. Und dann gibt es noch einen ziemlich klaren Punkt in der Sache. Die Notiz wurde William geschickt. Der Mann, der sie geschrieben hat, hat sie ihm nicht persönlich überbracht, denn wenn er sich selbst auf den Weg zu William gemacht hätte, hätte die Verabredung mündlich stattgefunden, dann hätte er sich nämlich das Schreiben sparen können. Wer hat ihm aber die Nachricht überbracht? Oder ist sie mit der Post gekommen?«

»Ich habe Erkundigungen eingezogen«, sagte der Inspektor. »William hat die Nachricht gestern Nachmittag mit der Post bekommen. Er muß den Umschlag selber vernichtet haben.«

»Ausgezeichnet!« rief Holmes und klopfte dem Inspektor anerkennend auf den Rücken. »Sie haben mit dem Postboten gesprochen. Es macht richtig Spaß, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. So, inzwischen wären wir an dem Pförtnerhaus angekommen. Wenn Sie wollen, Colonel, zeige ich Ihnen jetzt die Stelle, an dem das Verbrechen stattgefunden hat.«

Wir gingen an der hübschen Kate vorbei, in der der ermordete Kutscher gelebt hatte. Dann wanderten wir die eichenbestandene Allee hinauf zu einem herrschaftlichen Haus, das aus der Zeit Queen Annes stammte. Über dem Türpfosten war der Name von Malpaquet eingemeißelt.

Holmes und der Inspektor führten uns um das Haus herum, bis wir zu einer Seitenpforte kamen, die ein Stück des Gartens von der Hecke trennte, die wiederum an die Straße grenzte. Ein Polizist stand an der Küchentür.

»Öffnen Sie uns die Tür, Officer«, sagte Holmes. » Nun, meine Herren, auf dieser Treppe stand der junge Cunningham und sah die zwei Männer miteinander kämpfen, grad an der Stelle, wo wir jetzt stehen. Der alte Cunningham befand sich am Fenster, dem zweiten von links. Er sah, wie der Kerl entkam. Er lief links an dem Busch vorbei. Und das gleiche sagte auch der Sohn aus. Was den Busch betrifft, sind sie sich beide einig. Mr. Alec eilte dann aus dem Haus und kniete neben dem Verwundeten. Der Boden ist hier sehr fest; wie Sie sehen, gibt es keine Spuren, die uns weiterhelfen können.«

Als er noch sprach, kamen zwei Männer den Gartenweg hinauf. Sie bogen um die Ecke des Hauses und kamen direkt auf uns zu. Einer von ihnen war ein älterer Mann mit einem starken, faltigen Gesicht und großen, schweren Augen. Der andere war sportlich und jung. Sein fröhlich lächelnder Ausdruck und die auffällige Kleidung standen im Kontrast zu der traurigen Sache, die uns hier hergeführt hatte.

»Immer noch dabei?« sagte er zu Holmes. »Ich dachte, ihr Londoner macht keine Fehler. Sie scheinen doch nicht so schnell voranzukommen, wie ich sehe.«

»Ah, gönnen Sie uns ein bißchen Zeit«, sagte Sherlock Holmes gemütlich.

»Alle Zeit der Welt«, sagte der junge Alec Cunningham. »Warum auch nicht, ich sehe, Sie haben noch nicht den geringsten Hinweis. «

»Es gibt einen Hinweis«, antwortete der Inspektor. »Wir suchen etwas ganz Bestimmtes, wenn wir das finden, wissen Sie... Aber um Himmels willen, Mr. Holmes, was ist los mit Ihnen?«

Das Gesicht meines armen Freundes hatte einen entsetzlichen Ausdruck angenommen. Seine Augen waren nach oben gerollt, in seinen Zügen zuckte es schmerzhaft, und mit unterdrücktem Stöhnen war er auf den Boden gesunken. Entsetzt über diese plötzliche, heftige Attacke trugen wir ihn in die Küche, wo wir ihn in einen großen Sessel betteten. Ein paar Minuten rang er verzweifelt nach Atem. Aber dann ging es besser. Er entschuldigte sich schließlich beschämt und versuchte aufzustehen.

»Watson wird Ihnen bestätigen, daß ich gerade von einer schweren Krankheit genesen bin«, erklärte er. »Diese bösen, plötzlichen Attacken überfallen mich immer wieder einmal.«

»Soll ich Sie in meinem Wagen nach Hause fahren?« bot sich der alte Cunningham an.

»Na ja, gerne, aber eigentlich geht es schon wieder besser, und da ich nun einmal hier bin, hätte ich gerne über den einen oder anderen Punkt ein wenig genauere Auskunft. Wollen Sie mir helfen?«

»Was ist es?«

»Es wäre möglich, daß der ermordete Bursche William nicht vor dem Einbrecher, sondern hinter ihm eingetroffen ist. Sie scheinen es als gegeben hinzunehmen, daß der Einbrecher nicht i ins Haus gelangt ist, obgleich die Tür aufgebrochen worden ist. «

»Ich dachte, das sei doch ganz klar«, sagte der alte Cunningham düster. »Mein Sohn Alec war noch nicht ins Bett gegangen, und der hätte doch bestimmt gehört, wenn sich etwas im Haus ,f bewegt hätte.«

»Wo hat er denn gesessen?«

»Ich habe in meinem Ankleidezimmer gesessen und geraucht. «

»Welches Fenster ist das?«

»Das letzte auf der linken Seite, neben meinem Vater.«

»Ihrer beider Lampen waren angezündet?«

»Gewiß. «

»Da sind ein paar seltsame Punkte«, sagte Holmes lächelnd. » Ist es nicht merkwürdig, daß ein Einbrecher - einer, der kein Neuling ist, sondern ein paar Erfahrungen auf dem Gebiet hat, in ein Haus einbrechen sollte, zu einer Zeit, wo zwei Familienangehörige noch auf sind?«

»Er muß wirklich einen sehr kühlen Kopf gehabt haben.«

»Wenn dieser Fall nicht so merkwürdig wäre, dann brauchten wir nicht nach Erklärungen zu suchen«, sagte der junge Alec Cunningham. »Aber Ihre Idee, daß der Einbrecher in das Haus gelangt ist, bevor William kam, ist doch absurd. Schließlich hätten wir es merken müssen, Dinge wären in Unordnung geraten, und wir hätten sicherlich Sachen vermißt.«

»Das kommt darauf an, um was für Dinge es sich handelt«, sagte Holmes. »Sie dürfen nicht vergessen, daß wir es mit einem sehr seltsamen Burschen von einem Einbrecher zu tun haben, einer, der auf einer ganz bestimmten Linie arbeitet. Denken Sie doch an die seltsamen Gegenstände, die er bei den Actons mitgenommen hat. Was war es doch gleich noch? Ein Knäuel Bindfäden, einen Briefbeschwerer und was weiß ich nicht noch alles.«

»Und jetzt sind wir völlig in Ihrer Hand, Mr. Holmes«, sagte der alte Cunningham, »alles, was Sie und der Inspektor vorschlagen, werden wir bestimmt tun.«

»Zuallererst«, sagte Holmes, »möchte ich, daß Sie eine Belohnung aussetzen. Es muß von Ihnen kommen, denn wenn die Polizei sich damit befaßt, dauert es eine Weile, bis sie sich über die Summe geeinigt haben. Und in diesen Dingen kann man nicht prompt genug handeln. Ich habe hier ein kleines Formular ausgeschrieben, hier, wenn Sie das einmal für mich unterschreiben wollen... fünfzig Pfund dürften genügen.«

»Ich würde fünfhundert geben«, sagte der alte Mann. Er nahm das Blatt Papier und den Bleistift, den Holmes ihm gereicht hatte. »Aber der Text stimmt nicht ganz«, sagte er und sah sich das Dokument nachdenklich an.

»Sicherlich habe ich es viel zu flüchtig aufgesetzt.«

»Sehen Sie, Sie beginnen mit: >Am Dienstagmorgen um viertel vor eins wurde ein Anschlag ausgeübt... die tatsächliche Zeit war aber viertel vor zwölf.«

Dieser Fehler tat mir persönlich weh, denn ich wußte, daß Holmes, der in diesen Dingen ein Perfektionist war, seinen eigenen Fehler fühlen würde. Fakten mußten bei ihm immer völlig genau angegeben werden, das war seine Spezialität. Aber seine Krankheit hatte ihm schwer zu schaffen gemacht, und der kleine Unfall vorhin hatte ihn auch wohl ziemlich mitgenommen.

Einen Augenblick lang war die Sache ziemlich peinlich. Der Inspektor zog die Augenbrauen zusammen, und der junge Cunningham brach in Gelächter aus. Der alte Mann korrigierte den Fehler jedoch und gab das Schriftstück an Holmes zurück.

»Sehen Sie zu, daß es so schnell wie möglich gedruckt wird«, sagte er. »Ich glaube, es ist eine ganz ausgezeichnete Idee.« Holmes verstaute das Papier sorgfältig in seiner Brieftasche. »Und nun«, sagte er, »wäre es wohl an der Zeit, daß wir alle zusammen einmal durch das Haus gehen und nachsehen, ob der seltsame Einbrecher nicht doch noch etwas mitgehen heißen hat. «

Bevor das jedoch geschah, untersuchte Holmes die aufgebrochene Tür. Es war klar zu sehen, daß mit einem Meißel und einem kräftigen Messer gearbeitet worden war. Damit war das Schloß herausgeschoben worden. Die Eindrücke im Holz waren deutlich zu sehen.

»Benutzen Sie keine Riegel?«

»Das war bisher bei uns nicht nötig.«

»Halten Sie auch keinen Hund?«

»Ja, aber der ist angekettet auf der anderen Seite des Hauses.«

»Wann gehen die Hausangestellten zu Bett?«

»Um zehn Uhr.«

»Dann muß doch auch William um diese Zeit im Bett gewesen sein.«

»Ja.«

»Merkwürdig, daß er an diesem bestimmten Abend noch nicht im Bett war. Nun, jetzt würde ich mich freuen, wenn Sie so nett wären, mich durch das Haus zu führen, Mr. Cunningham. « Von einem mit Steinfußboden versehenen Flur zweigte der Küchentrakt ab. Dann führte dieser Flur weiter zu einer Holztreppe, die direkt in das obere Stockwerk führte. Wir landeten im Treppenhaus und fanden uns einer Treppe gegenüber, die jetzt mehr Ornamente und Verzierungen aufwies und die von der Halle aus hinaufführte. Von diesem Treppenhaus gingen die Türen zu einem Wohnzimmer und mehreren Schlafzimmern ab, denen von Mr. Cunningham und seinem Sohn eingeschlossen. Holmes ging sehr langsam und nahm die Architektur des Hauses in sich auf. Sein Gesichtsausdruck zeigte mir, daß er auf einer heißen Spur war. Und doch konnte ich nicht im geringsten ahnen, wohin sie führen würde.

»Mein guter Herr«, sagte Mr. Cunningham mit einiger Ungeduld in der Stimme, »hier suchen wir sicherlich ganz und gar unnötig. Dies hier ist mein Schlafzimmer und das am Ende des Ganges gehört meinem Sohn. Sie werden ja selber beurteilen können, ob ein Dieb hier heraufkommen kann, ohne daß wir ihn hören. «

»Sie gehen sicherlich herum und suchen nach einer frischen Spur!« sagte der junge Cunningham mit einem bösen Lächeln. »Sie müssen wirklich ein bißchen Geduld mit mir haben. Ich möchte doch nur gerne wissen, wie weit man aus Ihrem Fenster sehen kann. Dies ist also das Zimmer Ihres Sohnes?« Er stieß die Tür auf. »Und das hier ist wohl das Ankleidezimmer, in dem er gesessen und geraucht hat, als Alarm gegeben wurde. Wohin zeigt denn dieses Fenster?« Er ging durch das Schlafzimmer hindurch, öffnete die Tür zu dem anderen Raum und sah sich dort um.

»Ich hoffe, daß Sie nun zufrieden sind«, sagte Mr. Cunningham etwas spitz.

»Danke, ich habe gesehen, was ich sehen wollte.«

»Wenn Sie es also wirklich für nötig halten, können Sie jetzt mein Schlafzimmer sehen.«

»Wenn es Ihnen nicht zuviel ausmacht?!«

Der Hausherr zuckte die Schultern und ging voran in sein Schlafzimmer. Es war ein einfach möbliertes Allerweltszimmer. Als wir jedoch eintraten, blieb Holmes ein wenig zurück, bis er und ich uns am Ende der Gruppe befanden. Am Fußende des Bettes befanden sich auf einem Tischchen eine Schale mit Orangen und eine Wasserkaraffe. Als wir daran vorbeigingen, lehnte sich Holmes zu meinem großen Erstaunen direkt vor meinen Augen über dies Tischchen und warf es um. Das Glas zersplitterte in tausend Stücke, und die Früchte rollten in allen Richtungen durch das Zimmer.

»Was haben Sie nun wieder angestellt, Watson!« sagte er kühl. »Schöne Bescherung! Der arme Teppich!«

Ich stand ziemlich verwirrt da, bückte mich aber, um die Früchte aufzusammeln. Ich begriff, daß mein Freund wollte, daß ich die Schuld an dem kleinen Unfall auf mich nahm. Die anderen halfen mir, und schließlich wurde das Tischchen wieder aufgestellt.

»He«, sagte der Inspektor plötzlich, »wo ist er hingegangen?« Holmes war verschwunden.

»Warten Sie einen Augenblick. Der Mann kann doch nicht ganz richtig im Kopf sein. Vater, komm, wir wollen sehen, was er anstellt.«

Sie stürmten aus dem Zimmer. Uns anderen, dem Colonel, dem Inspektor und mir, blieb nichts übrig, als hinter ihnen herzustarren.

»Ich gehe jede Wette ein, daß der junge Alec recht hat«, sagte der Inspektor, »die Krankheit hat Holmes ja mitgenommen, aber...«

Er verschluckte die letzten Worte, denn ein plötzlicher Schrei »Hilfe, Hilfe, Mord! « versetzte uns in eiskalten Schrecken, denn ich hatte die Stimme meines Freundes erkannt, der um Hilfe rief. Wie ein Irrer sauste ich aus dem Zimmer in den Treppenflur. Der Schrei war zu einem dumpfen, unartikulierten Stöhnen geworden. Er kam aus dem Zimmer, in dem wir zunächst gewesen waren. Ich stürzte gleich in das Ankleidezimmer. Die beiden Cunninghams waren über die verzerrte Gestalt Sherlock Holmes' gebeugt. Die Hände des Jüngeren hatten sich um Holmes' Hals verkrallt, während der Ältere ihm die Handgelenke umdrehte. Einen Augenblick später hatten wir drei uns auf die Cunninghams gestürzt und sie von ihm fortgerissen. Holmes kam mühsam wieder auf die Beine. Er war sehr blaß und war offenbar ziemlich mitgenommen.

»Verhaften Sie diese Männer, Inspektor«, sagte er, immer noch nach Atem ringend.

»Warum? Was könnte gegen sie vorliegen?«

»Der Mord an ihrem Kutscher, William Kirwan.«

Der Inspektor starrte ihn verwirrt an. »Oh, nun, Mr. Holmes, nun wollen wir«, versuchte er beruhigend auf ihn einzureden, »Sie wollen doch nicht im Ernst sagen...«

»Ach was, Mann, schauen Sie sich doch die Gesichter an!« sagte Holmes kurzangebunden.

Tatsächlich hatte ich noch nie ein eindeutigeres Schuldgeständnis in einem Gesicht gesehen. Der alte Mann schien völlig durcheinander zu sein. Auf seinem markanten, faltigen Gesicht lag ein trotzig-beleidigter Ausdruck. Von dem Sohn war alle flotte, moderne Dandyhaftigkeit abgefallen.

Nur noch die Wildheit und Bösartigkeit eines Tieres lauerten in seinen Augen und verzerrten sein schönes Gesicht.

Der Inspektor sagte nichts, ging aber zur Tür und pfiff auf seiner Trillerpfeife. Zwei Polizisten erschienen.

»Ich habe keine andere Wahl, Mr. Cunningham«, sagte er. »Ich denke, alles wird sich als ein großer Irrtum herausstellen, aber Sie sehen ja... Eh, lassen Sie das! Werfen Sie das hin!« Er schlug mit der Handkante zu, und der Revolver, den der junge Cunningham gerade auf uns richten wollte, fiel polternd auf den Boden.

»Vorsicht! Berühren Sie ihn nicht! « sagte Sherlock Holmes ruhig und stellte seinen Fuß darauf.

»Er wird uns bei der Gerichtsverhandlung nützlich sein. Aber ich habe hier etwas, was wir alle gesucht haben! « Er hielt ein zerknülltes Stück Papier hoch.

»Der Rest des Briefbogens!« sagte der Inspektor. »Genau.«

»Und wo haben Sie ihn gefunden?«

»An dem einzigen Platz, wo er sein konnte. Ich werde Ihnen den Fall bald näher erklären. Ich glaube, Colonel, daß Sie und Watson nun am besten nach Hause gehen. In spätestens einer Stunde werde ich bei Ihnen sein. Der Inspektor und ich haben noch ein Wörtchen mit den Gefangenen zu reden. Spätestens zum Mittagessen sehen wir uns wieder.«

Sherlock Holmes hielt sich an sein Versprechen. Gegen ein Uhr waren wir wieder einträchtig im Rauchzimmer des Colonels versammelt. Er wurde begleitet von einem kleinen älteren Herrn, der mir als Mr. Acton vorgestellt wurde. In seinem Haus hatte der erste Einbruch stattgefunden.

»Ich wollte gerne, daß Mr. Acton mit Ihnen zusammen an einer kleinen Demonstration teilnimmt, die ich Ihnen vorführen möchte«, sagte Holmes, »denn na turgemäß interessiert er sich für die Einzelheiten des Falles. Ich fürchte, mein lieber Colonel, daß es Ihnen herzlich leid tut, einen so unruhigen Geist wie mich überhaupt eingeladen zu haben!«

»Im Gegenteil«, antwortete der Colonel herzlich. »Für mich ist es ein großes Privileg, zusehen zu dürfen, wie Sie an Ihren Methoden arbeiten. Bisher habe ich noch nicht die geringste Ahnung, wie Sie zu Ihren Ergebnissen gekommen sind. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wo der Angelpunkt dieses. Falles liegen könnte. «

»Ich fürchte, daß meine Erklärungen Sie enttäuschen werden, aber ich habe es immer so gehalten, daß ich keine meiner Methoden vor den anderen verberge, weder vor meinem Freund, Dr.

Watson, noch vor irgend jemand anders, der intelligent und interessiert genug ist, meinen Methoden zu folgen. Mir ist immer noch elend zumute nach der Behandlung, die sie mir im Ankleidezimmer zuteil haben werden lassen. Ich glaube, daß ich erst einmal einen Schluck Brandy verdient habe, nicht wahr, Colonel, bevor ich fortfahre. Irgendwie habe ich meine alten Kräfte noch nicht ganz wieder beisammen.«

»Ich hoffe, daß Sie niemals wieder solche Nervenanfälle bekommen werden.«

Sherlock Holmes lachte herzlich. »Darüber reden wir, wenn es soweit ist«, sagte er, »ich werde Ihnen jetzt die Zusammenfassung des Falles der Reihe nach geben, und ich werde die verschiedenen Punkte aufführen, die mich zu meinen Ergebnissen geführt haben. Bitte unterbrechen Sie mich, wenn irgendeine Stelle Ihnen nicht ganz klar sein sollte.

In der Kunst, Verbrechen aufzuklären, ist es von größter Wichtigkeit, Tatsachen zu registrieren und aus der Gesamtsumme diejenigen herauszusuchen, die von der größten Bedeutung sind, sie sorgfältig von denen zu trennen, die einem nur zufällig über den Weg kommen. Wenn Sie das nicht tun, zerstreuen Sie Ihre Energie, statt sie zu konzentrieren. Nun, in diesem Fall hatte ich nicht den geringsten Zweifel daran, daß der Schlüssel zu dem Geheimnis in dem Papierfetzen lag, den wir in der Hand des Toten gefunden haben. Bevor wir nun jedoch darauf eingehen, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf einen besonderen Umstand lenken: Wenn Mr. Alecs Geschichte wahr gewesen wäre, dann wäre der Mörder sofort geflohen, nachdem er den tödlichen Schuß abgegeben hätte. Er hätte sich nicht mehr die Zeit genommen, das Papier aus der Hand des Verwundeten herauszuziehen. Wenn es aber keinen entflohenen Mörder gab, dann kam nur Alec Cunningham als Täter in Frage, denn bevor der alte Mann die Treppe heruntergekommen war, war auch schon die gesamte Dienerscha ft zur Stelle. Eigentlich lag der Fall ganz einfach, aber der Inspektor konnte das nicht so sehen, weil er einfach von der Überzeugung ausging, daß die Landmagnaten sich niemals zu so etwas wie Mord herablassen werden. Nun, ich selber achte streng darauf, daß ich mich nicht von Vorurteilen verleiten lasse. Ich folge geradewegs den reinen Tatsachen, wohin sie auch führen mögen. So fragte ich mich vom ersten Augenblick meiner Untersuchungen an, welche Rolle Alec Cunningham in diesem Drama gespielt haben könnte.

Ich habe den kleinen Papierfetzen, den der Inspektor uns überlassen hatte, sehr sorgfältig untersucht. Von Anfang an war mir klar, daß es sich um einen Teil eines bemerkenswerten Dokumentes handeln mußte. Hier ist es. Bemerken Sie jetzt nicht etwas sehr Auffälliges daran?«

»Das ist aber einmal ein unregelmäßiges Schriftbild!« sagte der Inspektor.

»Mein lieber Sir«, rief Holmes, »es besteht überhaupt kein Zweifel daran, daß hier zwei Personen am Werke waren. Sie haben abwechselnd geschrieben, ein Wort der eine, das nächste Wort der andere. Darf ich Sie aufmerksam machen auf die aus-drucksvollen -t- in >at< und >to<. Und danach schauen Sie sich bitte die schwachen -t-in >Quarten und >twelfe< an. Sie werden mir sofort recht geben. Schon bei einer flüchtigen Analyse der nächsten vier Worte werden Sie mit äußerster Sicherheit sagen können, daß >learn< und >maybe< in einer kräftigeren Handschrift geschrieben sind als das >what<.«

»Liebe Zeit, das ist ja klar wie der lichte Tag«, sagte der Inspektor. »Aber weshalb sollten zwei erwachsene Männer auf diese Weise einen Brief schreiben?«

»Das ist doch einfach. Sie führten etwas Schlimmes im Schilde. So beschlossen sie, für den Fall daß etwas schiefgehen sollte, daß sie zu beiden Teilen beteiligt sein sollten. Meine nächste Feststellung geht dahin, daß derjenige, der das >to< und das >at< geschrieben hat, der Anstifter des Verbrechens war.«

»Woraus schließen Sie das?«

»Aus dem Charakter der Handschriften, wenn man sie beide vergleicht. Es ist eine Hypothese, aber ich glaube, ich habe recht damit. Schauen Sie sich die Nachricht doch einmal genau an. Sie werden zu der Überzeugung kommen, daß der Mann mit der kräftigen Handschrift die ersten Worte geschrieben hat und leere Stellen für den anderen hinterließ, die der dann ausgefüllt haben muß. Die leeren Stellen haben nicht immer ganz ausgereicht. Sehen Sie, der zweite Schreiber mußte an dieser Stelle z. B. das >quarter< zwischen >at< und >to< hineinquetschen. Das zeigt uns deutlich, daß das erste bereits geschrieben war. Derjenige, der diese Worte geschrieben hat, ist derjenige, der den ganzen Plan ausgeheckt hat.«

»Ausgezeichnet!« sagte Mr. Acton.

»Aber das ist oberflächlich gesehen«, sagte Holmes. »Wir werden jetzt jedoch zu einem Punkt kommen, der von einiger Wichtigkeit ist. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, daß Experten das Alter eines Menschen leicht von seiner Handschrift ablesen können. In normalen Fällen kann man die genaue Lebensdekade des Schreibers bestimmen. Ich sage bewußt, daß dies in normalen Fällen so ist, denn Krankheit und Hinfälligkeit produzieren auch Anzeichen von hohem Alter in einem Schriftbild, selbst wenn der Kranke noch jung ist. Sie sollten besonderes Augenmerk auf die starke, aufrechte Schrift haben und mit der schwachen, fast gebrochen wirkenden Schr ift vergleichen. Sie ist zwar immer noch lesbar, aber das -t- hat schon keinen Kreuzstrich mehr bekommen. Wir können sagen, daß dies hier die Schrift des alten Mannes ist und dies die des jungen, ohne daß wir uns auf Jahre festlegen müssen. «

»Einfach ausgezeichnet«, rief Mr. Acton noch einmal.

»Es gibt noch einen Punkt, feiner zwar, aber auch von größerem Interesse. Da ist etwas, was beide Handschriften gemeinsam haben, der Brief ist von Menschen geschrieben worden, die Blutsverwandte sind. Sie können es klar an dem griechischen erkennen. Ich erkenne allerdings noch ein paar mehr Anzeichen, die alle darauf hindeuten. Natürlich muß ich hier jetzt ein wenig zusammenfassen. In Wirklichkeit ließe sich aus diesen Handschriften noch viel mehr herauslesen.

Im ganzen könnte ich eine Liste von dreiundzwanzig Einzelheiten zusammenstellen, aber das würde Experten mehr interessieren als Sie. Immerhin dient alles dazu, daß sich mein Verdacht zu bestätigen scheint, daß Vater und Sohn Cunningham diesen Brief geschrieben haben.

Soweit war ich also mit meiner Untersuchung gekommen. Mein nächster Schritt war, alle Details des Verbrechens genau zu studieren, um herauszufinden, wieweit sie uns weiterhelfen könnten.

Ich begleitete also den Inspektor zu dem Haus, um nach einer Spur zu suchen. Aus der Wunde des Toten konnte ich entnehmen, daß der Revolverschuß aus einer Entfernung von etwa drei Metern abgefeuert worden war. An der Kleidung befand sich keine Pulverschwärze. Natürlich nicht. Alec Cunningham hat nämlich gelogen, als er uns weismachen wollte, zwei Männer hätten miteinander gekämpft, bevor der Schuß abgefeuert worden war. Dann waren sich Vater und Sohn völlig einig über den Fluchtweg, den der Verbrecher genommen hatte, als er angeblich auf die Straße entkam. Nun befindet sich allerdings gerade an der angegebenen Stelle ein breiter Graben mit ziemlich feuchtem Boden. Ich habe mir diesen Boden genau angesehen, es waren überhaupt keine Fußspuren vorhanden. Die beiden Cunninghams haben gelogen. Kein Fremder hatte das Grundstück betreten. Nun überlegte ich, mir das Motiv dieses unverständlichen Mordes. Um diese Frage zu lösen, mußte ich mir genauere Details beim Einbruch bei Mr. Acton verschaffen.

Der Colonel hatte etwas von einem Gerichtsbeschluß zwischen den beiden Familien de r Actons und der Cunninghams erwähnt. Im gleichen Augenblick wurde mir klar, daß sie ein Interesse daran haben konnten, in Mr. Actons Bibliothek einzubrechen, um nach diesem Dokument zu suchen, das für sie von großer Wichtigkeit war. «

»Richtig«, sagte Mr. Acton, »genau das hatten sie vor. Ich habe ein klares Recht auf die Hälfte ihres jetzigen Gutes. Wenn Sie dieses besondere Dokument bei mir gefunden hätten... das sich allerdings zum Glück im Safe meines Anwaltes befindet... dann hätten sie etwas gehabt, um meinen Anspruch zu Fall zu bringen. «

»Sehen Sie!« sagte Holmes lächelnd. »Es war ein gefährlicher, waghalsiger Anschlag, den ich dem Einfluß des jungen Alec zuschreibe. Nachdem sie feststellen mußten, daß das Dokument für sie nicht zu finden war, fingierten sie einen echten Einbruch und nahmen mit, was ihnen in die Hände fiel. Das war mir dann soweit klar, aber es gab immer noch einiges, was ich nicht recht verstehen konnte. Ich war sicher, daß Alec das Schreiben aus der Hand des Sterbenden gerissen hatte, und ziemlich sicher war ich auch, daß er es nur in die Tasche seines Morgenmantels gesteckt haben konnte. Wohin soll er es denn auch sonst getan haben? Die einzige Frage war, ob es sich immer noch dort befand. Das herauszufinden, war einen Versuch wert. Aus diesem Grunde machte ich den Vorschlag, noch einmal durch das Haus zu gehen.

Sie erinnern sich doch sicher, daß die Cunninghams auf uns zukamen, als wir an der Küchentür standen. Für mich war es natürlich unerhört wichtig, daß sie an die Existenz des Briefes nicht erinnert werden sollten, sonst hätten sie ihn selbstverständlich sofort vernichtet. Der Inspektor aber war gerade dabei, ihnen klar zu sagen, welche Bedeutung wir dem Dokument beimaßen, als ich, welch glücklicher Umstand, einen kleinen Anfall bekam und so das Gespräch eine andere Wendung nahm. «

»Meine Güte«, sagte der Colonel lachend, »wollen Sie damit sagen, daß unsere ganze Sympathie verschwendet war und Sie uns nur etwas vorgespielt haben?«

»Wenn ich hier als Arzt mal etwas sagen darf«, rief ich, »so muß ich schon sagen, daß es professionell gemacht war!« Voller Bewunderung schaute ich auf den Mann, der mich immer wieder mit den Proben seines Könnens in Erstaunen setzte.

»Eine kleine Kunst, die manchmal ganz nützlich ist«, sagte er. »Als ich mich dann wieder erholt hatte, bekam ich es durch eine kleine Mogelei hin, daß Cunningham das Wort >twelfe< schrieb.

Ich mußte es unbedingt mit dem gleichen Wort auf dem Papierfetzen vergleichen.«

»Oh, was für ein Esel ich doch gewesen bin!« rief ich aus. »Ich habe wohl gesehen, wie Ihnen meine Schwäche zu denken gegeben hat«, sagte Holmes. »Es tat mir leid, denn ich fühlte, daß Sie unter einem solchen Fehler genauso gelitten hätten, wie ich es getan haben würde. - Nach diesem kleinen Zwischenspiel begaben wir uns alle in die oberen Räume. Als ich das Ankleidezimmer betrat, nahm ich den Morgenmantel wahr, der hinter der Tür hing. So nahm ich mir vor, ein kleines Durcheinander zu schaffen, indem ich das Tischchen umwarf, damit ich die Aufmerksamkeit von mir selber ablenkte. Ich wischte dann fort, um Alecs Morgenmanteltaschen zu untersuchen. Kaum hatte ich das Papier jedoch in der Hand und konnte gerade noch einen Blick darauf werfen, der mir bestätigte, daß ich gefunden hatte, was ich gesucht hatte, da fielen die beiden Cunninghams auch schon über mich her. Ich glaube, sie hätten mich auf der Stelle umgebracht, wenn Sie mir nicht so schnell zu Hilfe geeilt wären. Ich fühle die Krallen des Jungen immer noch in meinem Hals, und die Handgelenke, die der Alte mir umgedreht hat, werden wohl noch eine Weile schmerzen. Sie haben alle Kraft aufgewandt, um das Papier aus meinen Händen zu entwinden. Spätestens in diesem Augenblick müssen sie gemerkt haben, daß ich ihr Spiel völlig durchschaut hatte. Wissen Sie, dieser völlig unerwartete Wechsel von vollkommener Sicherheit, in die sie sich gewiegt hatten, und dem totalen Bloßgestelltsein muß ein verzweifelter Schock für sie gewesen sein. Hinterher habe ich dann wegen des Motives zu diesem Verbrechen mit dem alten Cunningham gesprochen. Er hat alles gestanden, während sein Sohn sich wie ein wilder Teufel aufführte. In seiner teuflischen Wut hätte er gerne sich und den anderen eine Kugel durch den Kopf geschossen, wenn er nur seinen Revolver hätte erreichen können. Der alte Cunningham aber sah, daß sich alle Beweise gegen ihn richteten. Er verlor den Mut und gestand alles. William war den beiden Cunninghams in der Nacht des Einbruchs bei Mr. Acton heimlich gefolgt. Er hatte die Männer nun in der Hand und versuchte sie zu erpressen. Nun ist aber Alec ein Mensch, mit dem man solche Spiele besser nicht spielt. Er ist gefährlich. Er hatte die geniale Idee, einen neuen Einbruch vorzutäuschen und dabei gleich den Menschen loszuwerden, der ihre Sicherheit bedrohte. William wurde herangelockt und kaltblütig erschossen. Wenn Alec ihm den Brief hätte heil entreißen können und wenn er die Details ein wenig sorgfältiger geplant und ausgeführt hätte, dann wäre es wohl möglich gewesen, daß niemand ihn verdächtigt hätte.«

»Was steht denn in dem Brief?« fragte ich. Sherlock Holmes legte ihn vor uns auf den Tisch:

» If you will only come round to the east gate you will very much surprise you and be of the greatest service to you and also to Anne Morrisson. But say nothing to anyone upon the matter. «

(Sie brauchen nur zum Osttor kommen, dort wird Sie eine große Überraschung erwarten, die Ihnen viel nützen wird und Anne Morrisson ebenfalls. Aber sagen Sie keiner Seele ein Wort.) »Es ist genau das, was ich erwartet habe«, sagte er. »Natürlich wissen wir jetzt noch nicht, welch ein Verhältnis zwischen Anne Morrisson, Alec Cunningham und William Kirwan bestand, das Resultat zeigt jedoch, daß die Falle sehr sorgfältig gelegt worden ist. Ich bin sicher, daß Sie genau die gleichen Freude wie ich daran haben, die Familienähnlichkeit der -ps- und der -gs- zu entdecken. Auch daß in der Schrift des alten Mannes der i-Punkt fehlt, ist charakteristisch. Ich glaube, Watson, unser ruhiger Landaufenthalt hat mir sehr gute Dienste getan. Ich werde morgen sicher vö llig hergestellt wieder in die Baker Street zurückkehren.«

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