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Adam Bede.  George Eliot
Abschnitt 24. Die Gesundheiten
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Als das Essen vorbei war und die ersten Krüge von dem großen Faß Geburtstagsbier heraufgebracht waren, wurde für den breiten Poyser an der Langseite des Tisches Platz gemacht und zwei Stühle obenan gestellt. Es war festgesetzt, was Poyser thun sollte, sobald der junge Herr käme, und die letzten fünf Minuten hatte er wie abwesend dagesessen, die Augen auf das dunkle Bild gegenüber gerichtet, und seine Hände spielten in den Hosentaschen mit den Geldstücken und was sonst drin war.

Der junge Herr kam mit dem Pastor herein; alle standen auf, und diese Huldigung war Arthur sehr angenehm. Er liebte es, seine eigene Wichtigkeit zu fühlen, und hielt auch sehr viel auf die Zuneigung der Leute; er dachte so gern, sie hätten eine herzliche besondere Vorliebe für ihn. Die Freude leuchtete ihm aus den Augen, als er sagte:

»Mein Großvater und ich, wir hoffen, alle unsre Freunde hier haben sich das Essen schmecken lassen und finden mein Geburtstagsbier gut. Pastor Irwine und ich wollens mit euch probieren, und gewiß schmeckt es uns allen besser, wenn unser Pastor mit dran teilnimmt.«

Jetzt richteten sich aller Augen auf Pachter Poyser, der mit seinen Händen noch in den Taschen klimpernd so bedächtig ausholte wie eine langsam schlagende Wanduhr. »Herr Kaptän,« sagte er, »meine Nachbarn haben mir heute aufgetragen, für sie das Wort zu führen, denn wenn Leute ziemlich eines Sinnes sind, so ist ein Sprecher genug und es braucht keine zwanzig. Und wenn wir auch wohl über mancherlei verschieden denken – der eine bestellt sein Land so und der andere so, und ich mag für keines Menschen Wirtschaft einstehen als für meine eigene – so darf ich doch so viel sagen: über unsern jungen Herrn denken wir alle überein. Wir haben Sie fast alle gekannt, als Sie noch klein waren, und nie haben wir von Ihnen etwas andres erfahren als Gutes und Ehrenhaftes. Sie reden anständig und Sie handeln anständig, und mit Freuden denken wir daran, wenn Sie erst unser Gutsherr sein werden, da wir glauben, Sie werden gegen jeden gerecht sein und keinem sein Brot verbittern, wenn es irgend angeht. Das ist meine Meinung und das ist die Meinung von uns allen, und wenn einer seine Meinung gesagt hat, dann hört er am besten auf, denn vom Stehen wird das Bier nicht besser. Und wie uns das Bier schmeckt, das kann ich noch nicht sagen, denn wir wollten es nicht eher kosten, als bis wir Ihre Gesundheit tränken; aber das Essen war gut, und wenn's einem nicht geschmeckt haben sollte, dann ist's seine eigene Schuld. Und was den Herrn Pastor angeht, so weiß ja jeder, daß der im ganzen Kirchspiel willkommen ist, wo es auch sein mag, und ich hoffe und wir alle hoffen, daß er noch lange lebt, wenn wir schon alt sind und unsre Kinder herangewachsen sind und Euer Ehren Frau und Kinder hat. So, nun hab' ich für jetzt nichts weiter zu sagen, und wir wollen die Gesundheit unsres jungen Herrn trinken – er lebe dreimal dreimal hoch!«

Und nun ging ein herrliches Schreien und Klopfen und Klingeln und Klappern los, und »noch mal hoch« wiederholte sich über und über – die angenehmste Musik für ein Ohr, welches solche Huldigung zum erstenmale empfängt. Arthurn hatte während Poysers Rede das Gewissen etwas gezuckt, aber es war zu schwach gewesen, um gegen die Freude aufzukommen, mit der er sich loben hörte. Im ganzen verdiente er ja doch dies Lob! Und wenn er etwas gethan hätte, was Poyser nicht gefiele, wenn er es erführe, – nun, eine zu genaue Prüfung erträgt keines Menschen Wandel, und Poyser erfuhr es ja so leicht nicht, und am Ende – was hatte er denn gethan? Vielleicht war er in seiner Liebelei ein bißchen zu weit gegangen, aber jeder andere hätte an seiner Stelle viel schlechter gehandelt und schlimme Folgen konnte es ja nicht haben – nein, durfte und sollte es nicht haben; das nächste Mal, wo er mit Hetty allein wäre, wollte er ihr auseinander setzen, sie dürfe die Sache nicht ernsthaft nehmen. Es war für Arthur offenbar ein Bedürfnis, mit sich selbst zufrieden zu sein; er mußte die störenden Gedanken durch gute Vorsätze für die Zukunft los werden, und so rasch lassen sich diese guten Vorsätze fassen, daß er Zeit hatte, unruhig und wieder ruhig zu werden, ehe noch Poyser seine langsame Rede beendet hatte, und als er seine Gegenrede anfing, war es ihm ganz leicht ums Herz.

»Meine guten Freunde und Nachbarn, sagte Arthur, ich danke euch allen für eure gute Meinung von mir und für die freundlichen Gesinnungen, die Herr Poyser in eurem und seinem Namen ausgesprochen hat, und stets wird es mein herzlichster Wunsch sein, sie zu verdienen. Im Laufe der Zeit werde ich wohl, wenn ich am Leben bleibe, euer Gutsherr werden, ja, ausdrücklich in dieser Erwartung hat mein Großvater gewünscht, daß ich den heutigen Tag feiern und hier unter euch erscheinen möge, und ich sehe dieser Stellung nicht bloß in dem Sinne entgegen, daß sie mir selbst Ansehen und Vergnügen gewährt, sondern daß sie mir die Mittel geben wird, meinen Nachbarn Gutes zu thun. Für einen so jungen Mann wie ich bin, paßt es sich kaum, viel von Landwirtschaft zu euch zu reden, die ihr so viel älter seid und so viel mehr Erfahrung habt; indes hab' ich mich doch viel darum bekümmert und so viel davon gelernt, als mir die Verhältnisse erlaubt haben, und wenn im Laufe der Ereignisse das Gut in meine Hand kommt, so wird es mein erstes Bestreben sein, meinen Pächtern jede Unterstützung zu gewähren, die ein Gutsherr ihnen geben kann, indem er ihr Land verbessert und eine bessere Bewirtschaftung einzuführen sich bestrebt. Ich werde lebhaft wünschen, allen tüchtigen Pächtern der beste Freund zu sein, und nichts würde mich so glücklich machen, als wenn ich jedermann auf dem Gute achten könnte und von jedem wieder geachtet würde. Es ist jetzt nicht meine Aufgabe, mehr ins Einzelne zu gehen; ich erwidre nur eure guten Hoffnungen für mich, indem ich euch sage, daß meine eigenen Hoffnungen ihnen entsprechen, daß ich, was ihr von mir erwartet, meinerseits zu erfüllen wünsche, und ich bin ganz Poysers Ansicht, daß wenn einer seine Meinung gesagt hat, er am besten aufhört. Aber meine Freude über die Gesundheit, die ihr mir eben ausgebracht habt, wäre nicht vollkommen, wenn wir nicht die Gesundheit meines Großvaters tränken, der Vater- und Mutterstelle an mir vertreten hat. Darum kein Wort mehr, und trinkt mit mir seine Gesundheit an dem heutigen Tage, wo ich auf seinen Wunsch zu euch gekommen bin als der künftige Vertreter seines Namens und seiner Familie.«

In der ganzen Gesellschaft verstand und billigte vielleicht nur Pastor Irwine vollkommen die hübsche Art, mit der Arthur seines Großvaters Gesundheit ausbrachte. Die Pächter meinten, der junge Herr wisse gut genug, daß sie den alten Herrn haßten, und Frau Poyser sagte: »er hätte besser die faule Suppe nicht aufgerührt.« Bauernverstand begreift nicht leicht die Feinheiten des guten Geschmacks. Aber die Gesundheit konnte nicht ausgeschlagen werden, und als man sie getrunken hatte, fuhr Arthur fort:

»Ich danke euch für meinen Großvater und für mich selbst, und jetzt habe ich euch noch etwas zu sagen, worüber ihr, wie ich hoffe und glaube, euch mit mir freuen werdet. Es ist wohl keiner unter uns, der nicht Achtung hegte vor meinem Freunde Adam Bede, und bei vielen von euch, das weiß ich, steht er in sehr hohem Ansehen. In unsrer ganzen Gegend weiß jeder, daß man sich auf keinen mehr verlassen kann als auf ihn, daß er alles gut macht, was er auch anfaßt, und auf das Interesse der Leute, für die er arbeitet, so bedacht ist, als wär's sein eigenes. Ich bin stolz darauf, daß ich schon als kleiner Junge Adam sehr gern hatte und meine alte Neigung für ihn nie verloren habe – das beweist, denke ich, daß ich einen tüchtigen Mann zu schätzen weiß, wo ich ihn finde. Längst ist es mein Wunsch gewesen, daß er Aufseher über unsere wertvollen Forsten würde, nicht bloß, weil ich seinen Charakter so hoch halte, sondern weil er, wie ich glaube, die Einsicht und den Verstand besitzt, welche für die Stelle nötig sind. Und ich freue mich, euch sagen zu können, daß es mein Großvater auch wünscht, und daß Adams Anstellung als Forstaufseher jetzt eine abgemachte Sache ist. Gewiß wird das dem Gute sehr zum Vorteil gereichen, und ich hoffe, ihr trinkt nachher mit mir auf seine Gesundheit und wünscht ihm alles Glück im Leben, das er verdient. Aber es ist noch ein ältrer Freund von mir unter uns als Adam Bede, und ich brauche euch nicht zu sagen, daß es Pastor Irwine ist. Ihr alle stimmt gewiß mit mir überein, daß wir keinen andern leben lassen dürfen, ehe wir seine Gesundheit getrunken haben. Ich weiß, ihr alle habt Ursache, ihn zu lieben, aber keiner hat so viel Grund dazu wie ich. Und nun füllt eure Gläser und trinkt mit mir die Gesundheit unseres vortrefflichen Pastors; er lebe dreimal dreimal hoch!«

Diese Gesundheit wurde mit all der Begeisterung getrunken, welche bei der vorigen fehlte, und gewiß war es der hübscheste Anblick in der ganzen Scene, als Irwine sich erhob, um zu sprechen, und aller Augen in dem großen Saal sich auf ihn richteten. Die Feinheit und der Adel seines Gesichts stach gegen das der Landleute noch mehr ab als bei Arthur. Arthur hatte ein viel gewöhnlicheres englisches Gesicht, und der Glanz seiner neumodischen Kleider paßte mehr zu der Tracht der jungen Pächter als Pastor Irwines gepudertes Haar und das sauber gebürstete, aber schon etwas abgetragene Schwarz, welches er bei großen Gelegenheiten zu tragen pflegte; denn er hatte das tiefe Geheimnis, niemals einen neu aussehenden Rock zu tragen.

»Schon manch' liebes Mal,« sagte er, »habe ich mich bei meinen Pfarrkindern für Beweise ihrer Freundlichkeit bedanken können, aber die Liebe unserer Mitmenschen gehört zu den Dingen, die desto kostbarer sind, je älter sie werden. Unsere heutige Zusammenkunft selbst ist ein Beweis, daß wir, wenn etwas Gutes zu Jahren kommt und weiter zu leben verspricht, Grund zur Freude haben, und unser Verhältnis als Pfarrer und Pfarrkinder ist vor zwei Jahren großjährig geworden; es ist dreiundzwanzig Jahre her, daß ich zu euch kam, und ich sehe manchen großen, hübschen jungen Mann unter uns und manches blühende, junge Mädchen, deren Anblick bei weitem nicht so erfreulich war, wie ich sie taufte, als sie zu meiner Freude jetzt aussehen. Aber gewiß wird sich keiner wundern, wenn ich sage, daß ich unter all den jungen Männern das stärkste Interesse für meinen Freund, den jungen Herrn Arthur hege, dem ihr soeben eure Achtung bezeugt habt. Ich hatte das Vergnügen, mehrere Jahre sein Erzieher zu sein, und habe natürlich Gelegenheit gehabt, ihn kennen zu lernen, wie wohl keiner sonst unter uns, und mit Stolz und mit Freude versichere ich euch, daß ich eure großen Hoffnungen auf ihn und euer Vertrauen teile, er besitze die Eigenschaften, die zu einem vortrefflichen Gutsherrn gehören, wenn er erst diese bedeutende Stellung unter uns einnehmen wird. Wir stimmen in den meisten Sachen überein, in denen ein Mann, der auf die fünfzig zugeht, mit einem Jüngling von einundzwanzig Jahren übereinstimmen kann, und eben jetzt hat er ein Gefühl ausgesprochen, das ich von ganzem Herzen teile, und nicht gern ließe ich die Gelegenheit vorbei, dies zu erklären. Ich spreche von der Wertschätzung und der Achtung vor Adam Bede. Über hochgestellte Leute spricht man natürlich mehr und lobt ihre Vorzüge mehr, als wenn einer ein bescheidenes Tagewerk hat; aber alle verständigen Leute wissen, wie notwendig dieses bescheidene Tagewerk ist und wie wichtig für uns alle, daß es gut gethan wird. Und darin stimme ich nun mit meinem Freunde Arthur überein, daß wenn jemand in einer solchen bescheidenen Lebensstellung einen Charakter bekundet, der ihn in jeder Stellung zum Muster machen würde, daß dann sein Verdienst Anerkennung verdient. Er gehört zu denen, denen Ehre gebührt, und seine Freunde sollten ihn mit Freuden ehren. Ich kenne Adam Bede, ich weiß sehr wohl, was er als Handwerker ist und was er als Sohn und Bruder gewesen ist, und ich sage die einfachste Wahrheit, wenn ich erkläre, daß ich ihn eben so sehr achte wie irgend wen sonst. Aber ich spreche ja nicht von einem Fremden zu euch; manche von euch sind seine vertrauten Freunde, und ich glaube, wir alle hier kennen ihn gut genug, um von Herzen auf seine Gesundheit zu trinken.«

Als der Pastor inne hielt, sprang Arthur auf, füllte sein Glas und rief: »Ein großes volles Glas auf Adam Bede, und möge er Söhne haben, die so treu und geschickt sind wie er selbst!«

Unter den Zuhörern war niemand von dieser Gesundheit so entzückt wie Martin Poyser, selbst Barthel Massey nicht; so sauer dem braven Pächter seine erste Rede geworden war, er wäre aufgesprungen und hätte eine zweite gehalten, wenn so etwas nicht gegen alle Regel gewesen wäre. So fand er für den Drang seiner Gefühle nur den Ausweg, sein Ale ungewöhnlich schnell zu trinken und das leere Glas mit einem kräftigen Schwunge hinzusetzen und sehr stark aufzuschlagen. Wenn Meister Burge und ein paar andere nicht so ganz erbaut waren, so thaten sie doch ihr bestes, um es nicht merken zu lassen, und die Gesundheit wurde scheinbar unter allgemeinster Zustimmung getrunken.

Adam war etwas blasser als gewöhnlich als er sich erhob, um seinen Freunden zu danken. Er war natürlich sehr bewegt durch diese öffentliche Huldigung, denn alles, was seine kleine Welt ausmachte, hatte an dieser Ehrenbezeugung teilgenommen. Aber er war zum Reden nicht zu schüchtern, denn kleinliche Eitelkeit war ihm fern und die Worte fehlten ihm nicht; er sah weder ungeschickt noch verlegen aus, sondern stand wie gewöhnlich fest und aufrecht da, den Kopf ein wenig zurückgeworfen, und die Hände vollkommen ruhig, mit jenem rauhen, würdevollen Anstande, der klugen, braven, hübschen Handwerkern eigen ist, weil sie recht gut wissen, was sie in der Welt zu thun haben.

»Ich bin ganz überrascht, sagte er. Ich habe nichts der Art erwartet, denn das geht weit über meinen Arbeitslohn hinaus. Aber um so mehr Grund habe ich, Ihnen dankbar zu sein, Herr Kaptän, und Ihnen, Herr Pastor, und allen meinen Freunden hier, die meine Gesundheit getrunken und mir Gutes gewünscht haben. Nun wäre es Unsinn, wenn ich sagen wollte, ich verdiene durchaus die Meinung nicht, die Sie von mir haben; das hieße Ihnen schlecht danken, wenn ich sagte, Sie kennten mich schon so viele Jahre und hätten doch nicht Verstand genug, über mich recht ins klare zu kommen. Sie glauben, wenn ich ein Stück Arbeit annehme, dann mach' ich es gut, ich mag wenig oder viel dabei verdienen – und das ist die Wahrheit. Ich würde mich schämen, hier vor Ihnen zu stehen, wenn es nicht wahr wäre. Aber mir scheint, das ist bloß Pflicht und Schuldigkeit, und man braucht sich nichts drauf einzubilden, und ich weiß recht gut, daß ich nie mehr gethan habe als meine Pflicht; denn wir mögen thun, was wir wollen, wir gebrauchen doch nur die Gaben und Kräfte, die uns von Gott gegeben sind. Und darum ist auch diese Ihre Freundlichkeit nichts, was Sie mir schuldig wären, sondern Ihr freies Geschenk, und als solches nehme ich sie an und bin Ihnen dankbar dafür. Und was meine neue Anstellung angeht, so will ich nur sagen, daß ich sie auf den Wunsch des Herrn Kaptäns angenommen habe und mich bestreben werde, die Erwartungen zu erfüllen, welche er in mich setzt. Ich wünsche mir nichts besseres, als unter ihm zu arbeiten und indem ich mein eigenes Brot verdiene, das Bewußtsein zu haben, daß ich auch für seine Interessen sorge. Denn nach meiner Meinung gehört er zu den vornehmen Herren, die das Rechte wollen und die Welt ein bißchen vorwärts bringen und besser machen möchten, und ich glaube auch, so muß ein jeder handeln, sei er vornehm oder gering, er habe ein großes Geschäft und andere in seinem Dienst, oder er arbeite mit seinen eigenen Händen. Ich brauche jetzt nicht weiter zu sagen, was ich für unsern jungen Herrn fühle; ich hoffe, es mein ganzes übriges Leben durch Thaten zu beweisen.«

Adams Rede wurde sehr verschieden beurteilt; von den Frauen flüsterten sich einige zu, er habe sich nicht dankbar genug gezeigt und recht stolz gesprochen; aber die meisten Männer waren der Ansicht, keiner könnte mehr grade von der Leber weg sprechen, und Adam sei der prächtigste Bursch von der Welt. Während diese Bemerkungen hin- und hersummten, und manches »es soll mich doch wundern« dazwischen klang, ob der alte Herr einen Verwalter oder Rentmeister anstellen werde, waren die beiden Herren aufgestanden und an den Tisch getreten, wo die Frauen und Kinder saßen. Hier gab's natürlich kein starkes Ale, sondern Wein – moussierenden Stachelbeerwein für die Kleinen, und guten Sherry für die Mütter. Frau Poyser saß bei Tische obenan und hatte Totty auf dem Schoße, die ihr kleines Näschen tief in ein Weinglas steckte und die Mandelkerne suchte, die darin herumschwammen.

»Wie geht's, Frau Poyser?« fragte Arthur; »haben Sie sich nicht gefreut, Ihren Mann heute eine so gute Rede halten zu hören?«

»O, Herr Kaptän, den Männern sitzt meist die Zunge so fest; man muß immer zum Teil raten, was sie wollen, grade wie bei den Tieren, die nicht sprechen können.«

»Wie? Sie glauben also, Sie hätten's besser machen können als er?« fragte der Pastor lachend.

»Ei nun, Herr Pastor, wenn ich etwas sagen will, so kann ich Gottlob die Worte schon finden. Nicht als ob ich meinen Mann herabsetzen wollte; wenn er auch ein Mann von wenig Worten ist, es ist Verlaß drauf, was er sagt.«

»Wahrhaftig, eine hübschere Gesellschaft habe ich nie gesehen,« sagte Arthur und blickte vergnügt auf die Kinder mit den apfelroten, apfelrunden Backen. »Meine Tante und die Fräulein Irwines werden gleich auch zu Ihnen kommen. Sie waren bange vor dem Lärm bei den Gesundheiten, aber es wäre ewig schade, wenn sie die Gesellschaft nicht bei Tische sähen.«

Er ging weiter, sprach mit den Müttern und streichelte die Kinder; der Pastor hielt sich etwas zurück und nickte den Leuten nur aus der Ferne zu, um die Aufmerksamkeit nicht von dem jungen Herrn, dem Helden des Tages, abzuziehen. Bei Hetty stehen zu bleiben wagte Arthur nicht; er grüßte sie nur, als er ihr gegenüber entlang ging. Dem thörichten Kinde schwoll das Herz vor Verdruß; welches Mädchen ließe sich auch gefallen, scheinbar vernachlässigt zu werden, selbst wenn sie weiß, daß sich Liebe darunter verbirgt? Hetty glaubte, dies würde der unglücklichste Tag werden, den sie seit lange gehabt; einen Augenblick lang schien die Wirklichkeit mit kaltem Lichte in ihren goldenen Traum hinein: Arthur, der ihr noch vor wenigen Stunden so nahe geschienen hatte, stand ihr mit einemmale so fern, wie der Held eines öffentlichen Schaugepränges einem unbedeutenden Zuschauer in der Menge.