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Der Verfasser gibt Bericht von mehreren Eigenschaften der Yähus. Die großen Tugenden der Hauyhnhnms. Ihre Erziehung und ihre Übungen während der Jugend. Ihre allgemeine Versammlung.

Ich mußte natürlich mit der menschlichen Natur genauer bekannt sein als mein Herr, und somit wurde es mir leicht, den Charakter der Yähus, wie er ihn darstellte, auf mich und meine Landsleute anzuwenden. Auch glaubte ich, vielleicht würde ich durch eigene Beobachtung weitere Entdeckungen machen können. Deshalb bat ich meinen Herrn oft, mir die Erlaubnis zu erteilen, daß ich unter die benachbarten Herden der Yähus gehen dürfe; er hatte auch die Güte, seine Einwilligung zu geben, denn er hegte die vollkommene Überzeugung, der Haß, den ich gegen dieses Vieh hege, werde verhindern, daß ich dadurch verdorben würde. Dann befahl er einem Diener, dem fuchsroten Klepper, der sehr stark, ehrlich und gutmütig war, mich zu bewachen. Ohne diesen Schutz hätte ich niemals die Abenteuer, die ich beschreiben will, gewagt.

Ich habe ja dem Leser schon erzählt, wie ich bei meiner Ankunft von jenen Tieren belästigt wurde. Später wäre ich ein- oder zweimal beinahe in ihre Klauen gefallen, als ich zufällig ohne meinen Hirschfänger in einiger Entfernung von meiner Wohnung spazierenging. Auch habe ich Grund zu dem Glauben, daß sie eine Ahnung davon hatten, daß ich zu ihrer Gattung gehöre. Daran war ich aber selbst schuld, denn ich hatte oft meine Rockärmel aufgekrempelt und Arme und Füße, wenn mein Beschützer bei mir war, ihnen nackt gezeigt. Dann kamen sie mir so nahe, wie sie dies wagten, und pflegten meine Bewegungen wie Affen nachzuahmen, wobei sie jedoch immerwährend Zeichen des Hasses offenbarten, so wie ein zahmer Affe mit Mütze und Strümpfen, wenn er in die Gesellschaft der wilden gerät, stets verfolgt wird.

Von Kindheit auf sind die Yähus außerordentlich behende; einst fing ich einen dreijährigen Jungen und suchte ihn durch alle Arten von Liebkosungen zu beruhigen, allein der kleine Kobold begann zu kreischen und mich mit solcher Heftigkeit zu beißen und zu kratzen, daß ich ihn loslassen mußte; auch war es Zeit, daß ich ihn losließ, denn eine ganze Herde von alten Yähus lief bei dem Gekreisch herbei; als sie aber fanden, daß der Junge unverletzt war (denn er lief mit größter Schnelligkeit), und da der fuchsrote Klepper in der Nähe stand, wagte kein Yähu mir nahe zu kommen. Ich bemerkte, daß das Fleisch des jungen Tieres sehr stinkend war; er hatte einen Geruch, der aus dem eines Wiesels und eines Fuchses zusammengesetzt, aber bei weitem unangenehmer war. Ich vergaß noch einen Umstand (und wahrscheinlich würde ich die Verzeihung des Lesers erlangen, wenn ich diesen ganz ausgelassen hätte); während ich das verhaßte Geschöpf mit den Händen hielt, entleerte es seinen Kot über meine Kleider; glücklicherweise war ein kleiner Bach in der Nähe, wo ich mich so sauber wie möglich abwusch. Ich wagte es jedoch nicht, vor meinem Herrn zu erscheinen, bevor ich mich gehörig gelüftet hatte.

Nach allem, was ich entdecken konnte, scheinen die Yähus die ungelehrigsten Tiere zu sein. Ihre Fähigkeiten gelangen nie weiter, als daß sie Lasten ziehen und tragen können. Ich glaube jedoch, dieser Mangel entsteht nur aus ihrem verkehrten und störrischen Charakter. Sie sind listig, verräterisch, boshaft und rachsüchtig. Sie sind stark und kräftig, aber zugleich auch feig und folglich unverschämt, niederträchtig und grausam. Man hat bemerkt, daß die Rothaarigen beider Geschlechter gieriger und boshafter als die übrigen seien, die sie jedoch an Stärke und Tätigkeit übertreffen.

Die Hauyhnhnms verwahren die Yähus, die sie gewöhnlich gebrauchen, in Hütten, die von ihren Wohnungen nicht weit entfernt liegen. Die übrigen werden auf bestimmte Felder geschickt, wo sie Wurzeln ausgraben, jede Kräuterart essen, Aas suchen und bisweilen Wiesel oder Luhimuhs (eine Art wilder Ratten) fangen, die sie mit Gier verschlingen.

Die Natur hat sie gelehrt, mit den Krallen tiefe Löcher in die abfallende Seite eines Hügels zu graben, wo sie sich einzeln niederlegen; die Lagerstätten für die Weibchen sind jedoch größer, so daß sie auch zwei oder drei Junge mit fassen können.

Von Kindheit können sie wie Frösche schwimmen und auch lange unter Wasser bleiben, wo sie häufig Fische fangen, welche die Weibchen nach Hause zu ihren Jungen tragen. Ich hoffe, der Leser wird mir verzeihen, wenn ich bei dieser Gelegenheit ein sonderbares Abenteuer erzähle.

Als ich eines Tages bei sehr heißem Wetter mit meinem Beschützer, dem fuchsroten Klepper, spazierenging, bat ich ihn um die Erlaubnis, mich in einem nahen Flusse baden zu dürfen. Er gab seine Einwilligung; ich zog mich sogleich nackt aus und ging langsam in den Fluß hinein. Zufällig stand aber eine junge weibliche Yähu hinter einer Anhöhe und sah den ganzen Vorgang; sie kam sogleich, wie ich und der Klepper vermuteten, von Begierde entzündet, mit aller Eile herbeigelaufen und sprang in der Entfernung von fünf Ellen von dort, wo ich badete, ins Wasser hinein. Nie in meinem Leben habe ich einen solchen Schreck bekommen. Der Klepper graste in einiger Entfernung, da er nichts Böses vermutete. Die Yähu umarmte mich in der ekelhaftesten Weise. Ich brüllte so laut wie möglich, worauf der Klepper zu mir galoppierte; sie ließ mich nur mit dem größten Widerstreben los und sprang auf das entgegengesetzte Ufer, wo sie während der ganzen Zeit, da ich meine Kleider anlegte, zusah und heulte.

Dies gab meinem Herrn und seiner ganzen Familie viel Stoff zur Belustigung sowie mir zur Kränkung. Ich konnte nämlich jetzt nicht mehr leugnen, ich sei ein wirklicher Yähu, in jedem Gliede und nach meinen Gesichtszügen und da die Weibchen eine natürliche Neigung wie zu einem Geschöpf ihrer eigenen Art hegten. Auch war das Haar dieses Tieres nicht von roter Farbe, was einige Entschuldigung für anomale Begierden hätte gewähren können, sondern schwarz wie eine Schlehe, und sein Gesicht war auch nicht ganz so scheußlich wie bei den übrigen, so daß ich glaube, es konnte nicht über elf Jahre alt sein.

Da ich drei Jahre in diesem Lande gelebt habe, so erwartet der Leser wohl, daß ich, wie andere Reisende, ihm einen Bericht von den Sitten und Gewohnheiten der Hauyhnhnms gebe, deren Kenntnis wirklich mein Hauptstudium bildete.

Da die edlen Hauyhnhnms von der Natur mit einer allgemeinen Anlage zu allen Tugenden begabt sind und keine Begriffe und Ideen von dem Bösen bei vernünftigen Geschöpfen besitzen, so besteht ihr Hauptgrundsatz in der Ausbildung der Vernunft, um allein von dieser geleitet zu werden. Auch gilt die Vernunft bei ihnen nicht als problematischer Begriff, wie dies bei uns der Fall ist, wo man plausible Gründe für und gegen ihre Existenz angeben kann, sondern sie erweckt bei ihnen augenblickliche Überzeugung, wie dies überall notwendig ist, wo sie durch Leidenschaft nicht verfälscht, verdunkelt oder entfärbt wird.

Ich erinnere mich noch, wie ich meinem Herrn einen Begriff von der Bedeutung des Wortes Meinung oder über die Möglichkeit des Disputierens nur mit größter Schwierigkeit beibringen konnte. Er meinte nämlich, die Vernunft lehre uns ja, nur da zu leugnen oder zu behaupten, wo wir unserer Sache gewiß seien; läge irgend etwas jenseits unserer Kenntnisse, sei beides für uns unmöglich. Somit sind Kontroversen, Zänkereien, Disputationen über falsche und zweifelhafte Sätze bei den Hauyhnhnms durchaus unbekannte Übel. In derselben Art pflegte er mich auszulachen, wenn ich ihm unsere verschiedenen Systeme der Naturphilosophie auseinandersetzte, weil ein Geschöpf, das auf Vernunft Anspruch mache, sich auf die Vermutungen anderer Leute so viel einbilde, und besonders auch in Dingen, wo diese Kenntnis, selbst wenn sie gewiß wäre, zu nichts helfen könne. Hierin stimmte er vollkommen mit den Gedanken des Sokrates überein, wie sie Plato uns darlegt, und ich glaube durch diese Bemerkung jenem Fürsten der Philosophie die größte Ehre zu erweisen. Oft habe ich überlegt, wie ungeheure Verluste die europäischen Bibliotheken durch eine solche Lehre erleiden müßten und wie viele Wege zum Ruhm der gelehrten Welt dadurch verschlossen würden.

Freundschaft und Wohlwollen sind die zwei hauptsächlichsten Tugenden der Hauyhnhnms, und diese werden nicht auf einzelne Individuen beschränkt, sondern über das ganze Geschlecht hin ausgedehnt. Ein Fremder aus dem entferntesten Teile des Landes wird ebenso wie der nächste Nachbar behandelt; wohin er auch kommt, benimmt er sich sogleich, als, sei er zu Hause. Die Hauyhnhnms beobachten Anstand und Höflichkeit im höchsten Grade, sind aber mit Komplimenten gänzlich unbekannt. Sie hegen keine Zärtlichkeit für ihre Füllen; die Sorgfalt, die sie trotzdem auf ihre Erziehung verwenden, entspringt ausschließlich aus den Vorschriften der Vernunft. Ich bemerkte auch, daß mein Herr dieselbe Neigung zu den Kindern seines Nachbarn hatte wie für seine eigenen. Sie glauben, die Natur erfordere, daß man die ganze Gattung liebe; es sei ferner vernünftig, daß man bloß diejenigen Individuen auszeichne, die einen höheren Grad der Tugend besitzen.

Wenn eine Hauyhnhnms-Frau je ein Füllen beiderlei Geschlechtes hat, so kommt sie mit ihrem Gatten nur dann noch zusammen, wenn durch irgendeinen Zufall ein Füllen ihrer Nachkommenschaft verlorengeht; ein Umstand, der sich jedoch nur selten ereignet. Betrifft ein solches Unglück ein Individuum, dessen Gattin schon sehr alt ist, so erhält es ein Füllen von einem anderen Paare, das dann wieder zusammen lebt. Diese Vorsicht ist notwendig, damit das Land nicht zu sehr bevölkert werde. Die Rasse der niederen Hauyhnhnms muß sich jedoch nicht so genau auf diese Zahl beschränken; ihre Füllen dürfen von jedem Geschlechte drei betragen, die dann später als Bediente in den adligen Familien angestellt werden.

Bei den Ehen zeigen die Hauyhnhnms besondere Sorgfalt in der Wahl der Farben, um keine unangenehme Mischung in der Rasse zu erzielen. Kraft wird hauptsächlich bei den männlichen und Zierlichkeit bei den weiblichen Individuen geschätzt, jedoch nicht in Sachen der Liebe, sondern um die Entartung der Rasse zu verhindern; wenn nämlich ein Weibchen sich durch Körperstärke auszeichnet, wird der Gatte mit besonderer Rücksicht auf Zierlichkeit gewählt.

Hofmachen, Zärtlichkeiten, Geschenke, Nadelgeld und Versorgung sind unbekannte Begriffe. Das junge Paar kommt zusammen und wird ganz allein deshalb verbunden, weil dies der Wille seiner Eltern und Verwandten ist. Die jungen Leute betrachten dies als etwas ganz Selbstverständliches und als eine Handlung, die vernünftigen Wesen natürlich ist. Eine Verletzung der Ehe und eine andere unmoralische Handlung ist jedoch unerhört, und das verheiratete Paar verbringt sein Leben in derselben gegenseitigen Freundschaft und mit demselben Wohlwollen, wie es anderen, die mit ihnen zusammenkommen, erwiesen wird; Eifersucht, Zärtlichkeit, Zänkerei oder Unzufriedenheit sind unbekannte Begriffe.

In Erziehung der Jugend beider Geschlechter ist die Methode der Hauyhnhnms bewunderungswürdig und verdient große Nachahmung. Die Füllen dürfen kein Korn Hafer berühren, mit Ausnahme gewisser Tage, bis sie das achtzehnte Jahr erreicht haben; Milch erhalten sie nur selten; im Sommer grasen sie zwei Stunden des Morgens und dieselbe Zeit am Abend, wobei sie von ihren Eltern beaufsichtigt werden. Den Dienern ist nicht mehr als die Hälfte dieser Zeit zugestanden, und ein großer Teil des Grases, wovon sie sich nähren, wird nach Hause gebracht. Sie essen dieses in passenden Stunden, wenn man sie am besten bei der Arbeit entbehren kann.

Mäßigkeit, Fleiß, Körperbewegung und Reinlichkeit werden den Füllen beider Geschlechter als immerwährende Lehren gegeben. Auch hielt es mein Herr für ein unnatürliches Verfahren, daß wir den weiblichen Personen unserer Art eine andere Erziehung als den männlichen geben, mit Ausnahme einiger Punkte, welche die Verwaltung des Hauswesens betreffen. Er bemerkte mit vollkommenem Recht, die Hälfte unserer Staatsbürger sei deshalb zu nichts anderem zu gebrauchen als zum Hervorbringen von Kindern. Der Umstand jedoch, daß man die Erziehung der Kinder solchen nutzlosen Personen anvertraue, sei ein noch größerer Beweis unserer tierischen Natur.

Die Hauyhnhnms erziehen ihre Jugend zur Kraft, Schnelligkeit und Abhärtung; sie müssen auf steilen Anhöhen und steinigem Boden öfters Wettrennen laufen. Sind die Füllen in Schweiß geraten, so müssen sie sich bis über die Ohren in einen Teich oder Fluß tauchen. Viermal des Jahres kommt die Jugend eines bestimmten Distrikts zusammen, um ihre Fortschritte im Laufen, Springen und anderen Beweisen ihrer Fertigkeit und Behendigkeit zu zeigen; der Sieger oder die Siegerin wird dabei mit einem Lobgedicht belohnt. Bei dieser Festlichkeit treiben die Bedienten eine Herde Yähus auf das Feld, die mit Heu, Hafer und Milch beladen sind, zur Bewirtung der Hauyhnhnms bestimmt. Dann aber werden diese Tiere sogleich wieder zurückgetrieben, damit sie der Gesellschaft nicht lästig werden.

Alle vier Jahre wird im Frühlingsäquinoktium eine Repräsentantenversammlung der ganzen Nation gehalten auf einer Ebene, die ungefähr zehn Stunden von unserem Hause entfernt liegt. Hier untersuchen die Hauyhnhnms den Zustand der verschiedenen Distrikte, ob sie Überfluß an Heu, Hafer, Kühen oder Yähus besitzen oder daran Mangel leiden. Findet sich irgendwo ein Mangel (ein Fall, der jedoch nicht häufig vorkommt), so wird er sogleich durch einmütig gewährte Beisteuer wieder ausgeglichen. Hier werden auch die Regulierungen hinsichtlich der Kinder festgesetzt; zum Beispiel, wenn ein Hauyhnhnm zwei männliche Kinder hat, so vertauscht er eins mit einem anderen, der zwei weibliche besitzt; ist ferner ein Kind durch Zufall verlorengegangen und die Mutter bereits alt, so wird beschlossen, welcher Distrikt ein anderes Kind aufziehen soll, um den Verlust zu ersetzen.